Categotry Archives: Gedanken

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Für mehr Herzensbildung in der Schule

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Anlässlich der Eröffnung des Tibethauses in Frankfurt stattet der Dalai Lama zur Zeit der Mainmetropole einen Besuch ab. Neben einem öffentlichen Vortrag über Globale Ethik fand am Mittwoch, 13.9. auch eine Diskussion mit Schülern aus der Region statt. Wobei Diskussion einen falschen Eindruck vermittelt, denn viele Schüler durften vorher ihre Fragen einreichen, diese wurden sinnvoll umformuliert und anschließend durften 10 Schüler sich jeder eine raus suchen um sie dem Dalai Lama auf der Bühne zu stellen. Einer der Schüler sagte hinterher, dass seine Erwartungen an die Veranstaltung übertroffen wurden, da der Dalai Lama für viele Fragen weit ausholte und sie in größerem Kontext beantwortete. Nur bei einigen Fragen antwortete er zunächst ganz kurz um nach einer kleinen Bedenkzeit weitere Erläuterungen nachzuschieben. Eine dieser Fragen war z.B. wie er es schaffen würde, angesichts der vielen Kriege und der Gewalt auf der Welt immer so freundlich und fröhlich zu sein. Seine spontane Antwort: „That’s my secret!“ Darauf folgt sein herzhaftes Lachen – und es braucht keinen Übersetzer um seine Heiterkeit nachvollziehen zu können.

Ein Themenkreis taucht immer wieder auf – sowohl in den Fragen als auch in den Antworten: was können wir für eine bessere Welt tun, was sollten unbedingt in der Schule unterrichtet werden, wie können wir dauerhaft Frieden schließen, wie sollten wir Flüchtlingen begegnen, etc. Immer wieder kam der Dalai Lama auf das Thema Bildung. Nicht nur das Wissen sollte gelehrt werden, sondern auch Herzensbildung sollte betrieben werden. Werte wie Mitgefühl, Respekt vor anderen Lebewesen, Achtsamkeit müssen ebenso Teil des Lehrplans sein. Eine der Schüler-Fragen zielte genau auf dieses Thema: ob man auch aus den Erfahrungen von anderen Lernen könne, wo doch jeder seine eigenen Fehler machen muss oder ob man besser alles im Alleingang lernt. Bei der Antwort nannte er drei zentrale Dimensionen des Lernens: das Wissen, die Analyse mit Hilfe eigener Maßstäbe und schließlich die Umsetzung im Handeln. Gerade dabei wird erst deutlich, ob o.g. Grundwerte in die Praxis umgesetzt werden können.

Am Donnerstag findet ein Symposium u.a. mit dem Dalai Lama, Wolf Singer, Gert Scobel, Lobsang Negi statt, bei dem der Frage nachgeforscht wird, was unsere Gesellschaft, insbesondere unsere Jugend für die Herausforderungen der Zukunft stark macht. Dabei kommt es besonders auf den Dialog zwischen westlicher wissenschaftlicher und buddhistischer Sicht an.
Noch zwei, drei Randbemerkungen: im Saal heute waren etwa 1800 Jugendliche. Einige davon traf ich während der Veranstaltung auf der Toilette. Sie fassten die Gedanken des Dalai Lama mit den Worten „Ey, der labert so ein Scheiß!“ zusammen. Insgesamt war sehr viel unaufmerksame Bewegung im Saal. Außerdem sprach ich mit Amelie Hipp, mit 13 Jahren die jüngste Schülerin auf dem Podium, die ihre Frage los werden durfte. Für sie war es ein überwältigendes Erlebnis. Ihr ist besonders aufgefallen, wie achtsam der Dalai Lama jede Tätigkeit ausführt. Er lässt sich nicht ablenken, er macht das, was er tut zu 100%.

Dieser Beitrag erscheint ebenso auf ZUM.de.

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ohne Religion heißt nicht: ohne Werte

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Über globale Ethik & die Umsetzung im Alltag

 

Im September kommt der Dalai Lama nach Frankfurt. Aus diesem Anlass rief das Blog ethik-aktuell.de zu einer Blogparade mit dem Thema „Wir brauchen eine globale Ethik“ auf. (Einsendeschluss ist heute.)

Anfang des Jahres las ich das Gespräch zwischen Franz Alt und dem Dalai Lama „Ethik ist wichtiger als Religion“ (als vollständiges pdf verfügbar). Bereits der vorausgehende Appell enthält alle wesentlichen Thesen, das Interview selbst ist sehr vergnüglich. Es geht genau wie im Aufruf zur Blogparade um die Frage, welche Werte unsere Gesellschaft und unser alltägliches Handeln prägen (sollen). Außerdem geht es darum, in welchem Verhältnis die Religionen zueinander stehen bzw. welche Rolle sie spielen sollten, damit ein friedliches Zusammenleben möglich ist. Beide Fragen beschäftigen mich (nicht nur berufsbedingt) natürlich sehr und ich habe das große Glück, sie in die Schule zu tragen und mit meinen Schülern diskutieren zu dürfen (und diese weiter im Ethikblog). Die Frage nach dem Verhältnis der Religionen lasse ich in diesem Beitrag etwas außer Acht, denn das wäre einen eigenen Blogbeitrag wert.

Die Werte, die der Dalai Lama für das Zusammenleben fordert sind Güte, Achtsamkeit, Nachhaltigkeit, Gewaltfreiheit, Mitgefühl, Fürsorge, Respekt vor anderen Lebewesen sowie Friedenswille. Diese leitet er aus dem gesunden Menschenverstand sowie aus den verschiedenen Religionen ab. Hans Küng geht mit seinem Projekt Weltethos ähnlich vor. Er untersuchte die Gemeinsamkeiten der Religionen und stellte einige grundlegende Regeln auf, denen alle Menschen zustimmen müssten – und wenn sie danach leben, es weniger Konflikte geben müsste. Auch er spricht von Ethos / Ethik. Kurze Begriffsklärung: Ethik kommt aus dem Griechischen. Dort gibt es zwei Bedeutungen, je nachdem mit welchem e man es am Anfang schreibt. Die eine Schreibweise (ἦθος) bedeutet Charakter – also, mit welchem Motiv, welcher Haltung ich Handlungen ausführe. Die zweite Schreibweise (ἔθος) meint mit Gewohnheit, Brauch die überlieferten Traditionen. Im Lateinischen entspricht dieser Schreibweise „mos“, aus dem unser „Moral“ hervor ging. Diese Moral sind also die gelebten Werte bzw. deren Überlieferung von einer Generation zur nächsten. Ethik dagegen steht für eine individuelle Entscheidung so und nicht anders zu handeln und sich dessen auch bewusst zu sein. Das Projekt Weltethos und auch die globale Ethik des Dalai Lama stehen also für eine konkrete Entscheidung jedes einzelnen. 

Für mich haben die vom Dalai Lama angesprochenen Werte noch eine andere Dimension. Sie können der Pluralität der Werte und der damit verbundenen scheinbaren Willkürlichkeit entgegengesetzt werden. Denn: ohne Religion heißt nicht: ohne Werte. Das wird auch in dem oben verlinkten Text sehr deutlich (jetzt bin ich doch beim Thema Religion…). Auch Atheisten wie ich leben Werte, die das Handeln leiten. Gerade den Alltag mit Kindern (in der Schule und eigene) begleiten oft Fragen, auf welchen Grundlagen Entscheidungen getroffen werden, welche Haltungen  (ἦθος) ich vermitteln und weitergeben möchte. Ganz praktisch ist es bei mir beispielsweise die Entscheidung, saisonal, regional und bio (Priorisierung nach Reihenfolge.) zu kaufen um den Planeten auch für die Urenkel noch lebenswert zu hinterlassen. Damit bin ich ganz nah bei Hans Jonas und seinem ökologischen Imperativ. Auch alle anderen angesprochenen Werte finden Begründungen in der Philosophiegeschichte. Ich muss sie für mich und meinen Alltag anwendbar machen – und das ist Arbeit: Denkarbeit, Lebenserfahrung, praktisches Ausprobieren. Anders als die Religionen, die die praktische Anwendung oft bereits mitliefern. Insofern bietet der Dalai Lama mit seinen Anregungen und Appellen einen Mittelweg zwischen Philosophie und Religion.

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gelesen: alle Toten… Teil 1 & Kundera

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Zum Inhalt möchte ich diesmal gar nichts sagen. Beide Bücher waren gut zu lesen, Kundera bot erwartungsgemäß mehr Genuss bei der Geschichte und wie sich am Ende alles zusammen fügt. Meyerhoff brachte dagegen öfter mal ein Schmunzeln ob der abstrusen Geschichten, die durchaus möglich sind. (Wie auch schon bei Teil 2)
Worüber ich lieber kurz berichten will: das eine las ich analog (so richtig oldschool auf einem Bücherflohmarkt gekauft), das andere digital. Für mich macht es inzwischen keinen Unterschied mehr, welches Medium den Lesestoff trägt. Das finde ich eine gute Entwicklung. Ich gebe zu, ich ,süßte mich erst daran gewöhnen, am Kindle genauso konzentriert zu lesen. Oft las ich bei früheren Büchern Seiten doppelt, weil ich sie nicht wirklich gelesen hatte. Das passiert mir bei analogen Büchern nicht.

Außerdem bin ich etwas verblüfft, dass ich trotzdem noch zum Lesen komme. Seit einem Monat ist #Kind4 da und ich kann mit ihm im Arm draußen im Liegestuhl sitzen und lesen. Gelegentlich bringt mir #Kind3 ein Vanilleeis aus dem Sandkasten vorbei, aber meist spielt er mit anderen Kindern. Und ich darf lesen. Bisher in meiner Mutterkarriere dachte ich, dass ich meine Lesezeit auf unbestimmt aufgegeben habe … aber siehe da: dieser Sommer wird als mein Lesesommer in meinen Erinnerungen bleiben! (Und ich habe noch einige ungelesene Bücher im Regal stehen…)

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Rückblick 2016

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2016 war ganz ok.

Im Februar endete meine Elternzeit mit K3. Danach stieg ich wieder mit 18 Unterrichtsstunden ein. Das ging ganz gut, auch wenn die Umstellung am Anfang etwas holprig war. Seit dem neuen Schuljahr habe ich viele viele Freistunden, sodass ich einen Großteil des Unterrichts in der Schule vorbereiten kann. Der Nachteil ist, dass viel Zeit fest verplant und gebunden ist. Meine Unterrichtsvorbereitung geht inzwischen ganz locker flockig mit Evernote (konkrete Unterrichtsstunden) und Devon Think (Materialbox). Da ich die Materialsammlung für Geographie betreue, schreibe ich meinen Kollegen monatlich eine Mail mit den neuangekommenen Sachen sowie tollen Links. Bestes Tool (nicht nur) für letzteres ist für mich nach wie vor Twitter (aktueller Followerstand: 1038).

Dieses Schuljahr unterrichte ich alle Ethikklassen in meiner Schule (7,9,10,11,12) sowie einige in Geographie (5,10,11 (GK),12 (GK)). Dazu kommt, dass ich weiterhin die AG Schülerzeitung leite. Letztes Schuljahr gab es insgesamt 3 Ausgaben, dieses kommen wir, bedingt durch die Dokumentation der Projekttage, wahrscheinlich auf 4. Mit Scribus komme ich inzwischen ganz gut zurecht. Die Erstellung des Layouts dauert trotzdem noch recht lang.

Für die ZUM bin ich weiterhin 1. Vorsitzende. Unseren Rechenschaftsbericht haben wir hier im Rahmen des ZUM-Treffens im November online gestellt. 2017 wird die ZUM 20 Jahre alt. Wir beginnen langsam, dieses Jubiläum vorzubereiten.

Geredet habe ich viel in der Schule. Im Dezember verschlug es mir einige Male die Sprache, was allerdings hauptsächlich an meiner Erkältung lag. Außerdem sprach ich über digitale Medien im Ethikunterricht bei der Landestagung des Fachverbands.

Geschrieben habe ich auch etwas. Mein Vorsatz, jeden Monat wenigstens einen Blogbeitrag zu veröffentlichen hat in 11 Monaten geklappt (wenn ich diesen Beitrag noch im Dezember veröffentliche ;)). Meine Publikationsliste hat auch Zuwachs bekommen: Digitale Medien. in: Pfister / Zimmermann: Neues Handbuch des Philosophieunterrichts, 2016 S. 357 ff. Außerdem habe ich einen Beitrag für die Praxis Philosophie / Ethik geschrieben (Heft Migration und Moral, kommt 2017 raus). Ich merke jedoch, dass das im laufenden Unterrichtsbetrieb ganz schön stressig ist. Im Rahmen der Flüchtlingshilfe hier im Ort habe ich einige Blogbeiträge geschrieben, die meisten jedoch vorgefertigt bekommen und nur noch publizieren müssen. Dafür habe ich bei jedem Treffen der Orga-Gruppe (ca. aller 3 Wochen) das Protokoll geschrieben. Mein Arbeitskreis hat auch ein klein wenig Arbeit geleistet. Beim wöchentlichen Edchatde habe ich schon lange nicht mehr teil genommen, weil meine Kinder erst gegen 20:40 alle im Bett sind. Dann noch reinzukommen, habe ich ein paar Mal versucht, ist aber verdammt schwierig. Dafür habe ich beim Team Saar+ ordnungsgemäß die Tweets eingesammelt. Immerhin etwas Teilgabe.

Gereist bin ich zum ZUM-Workshop, zum Educamp nach Leipzig, zum ZUM-Vorstandstreffen und zum ZUM-Treffen. Virtuell reise ich jeden Monat zum virtuellen Treffen in Form des monatlichen Calls des Bündnis freie Bildung, ein echtes Treffen ist für Januar geplant.

Gelesen habe ich leider wieder nicht so viel. Auf der Gelesen-Liste stehen 9 Bücher, wobei die ersten beiden realistischerweise noch zu 2015 gehören. Viel Spaß macht mir übrigens immer das Lesen der Kommentare zu meinen versteckten Geocaches. Ich habe 13 eigene, davon ein Multi. Mein Ziel war es, 2016 auf 100 gefundene Caches zu kommen. Aktuell habe ich 157. Ziel erreicht 🙂

Ausblick 2017: Ich habe einige Projekte bereits geplant, u.a. einen Wiki-Workshop bei der GEW-Tagung zu digitalen Medien, ein Seminar zu einer Ringvorlesung an der TU-Dresden sowie wieder einen Beitrag für die Praxis Philosophie/Ethik. Außerdem, wenn alles gut geht, wird Ende Juli Kind4 auf die Bühne treten.

Link: Rückblick 2015

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gelesen: Die Nacht und Der Mann, der das Glück bringt.

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Ferienzeit ist bei mir Lesezeit. Im Schwarzwald-Urlaub habe ich diese beiden Bücher gelesen.

Catalin Dorian Florescu: Der Mann, der das Glück bringt

Die Geschichte erzählt die Lebensgeschichte von zwei Personen, einem Großvater und einer Mutter, Elena. Ich dachte lange Zeit, dass es dieselbe Familie wäre und fragte mich, wie die Geschichte des Großvaters (dessen echten Namen man nicht erfährt) in New York mit der Geschichte der Mutter im Donaudelta verbunden ist. Am Ende ist alles ganz anders und zwei Welten treffen sich und schreiben ihre eigene Geschichte fort.

Was ich ganz spannend fand: Als Leser erfährt man viel über das Leben im Ghetto von New York zur Jahrhundertwende, wo die Zeit niemals still steht und man durch das Leben hetzt. Als Kontrast dazu steht das Leben im Donaudelta, wo alles immer so ist, wie es immer schon war und sich scheinbar niemals etwas ändern wird.

Elie Wiesel: Die Nacht

Ein Zufallsfund beim Stöbern im Buchladen. Den Namen kannte ich, habe aber noch nie etwas von ihm gelesen. In diesem Buch beschreibt er die Deportation und sein „Leben“ in Auschwitz, Birkenau und Buna. Sehr erschreckend zu lesen und sehr traurig.

Gerade am Anfang dachte ich oft so bei mir, wie sich aus kleinen Gesten, kleinen Ungerechtigkeiten allmählich eine Haltung entwickelt, deren Konsequenzen man irgendwann nicht mehr aufhalten kann. Verglichen mit der heutigen Zeit machte mich das sehr nachdenklich.

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Rückblick 2015

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2015 war ein gutes Jahr. Auf Grund der Elternzeit mit K3 habe ich recht viel freie Zeit und Muße, um verschiedene Projekte anzugehen, die sonst länger liegen geblieben wären. Teilweise war auch etwas äußerer Zwang da, aber das ist ja bekanntlich ein guter Motivator.

Scribus. Ich habe mich in Scribus eingearbeitet und dort erste Dokumente zur Veröffentlichung erstellt. So ist beispielsweise unsere erste Schülerzeitung und ein Display für die ZUM entstanden.

Apropos ZUM. Da wir bei Tagungen, z.B. bei Educamps oder bei anderen Zusammentreffen, häufiger Missverständnisse ausräumen müssen, wie die ZUM funktioniert und wie wir arbeiten, habe ich dieses Jahr begonnen, Interviews mit ZUMlern zu führen. Inzwischen sind 33 Interviews erschienen und alle sind lesenswert! Sie machen deutlich, dass jeder eine andere Motivation hat, Unterrichtsmaterialien online zu stellen und dass jeder einen anderen Kontext hat, in dem er das tut. Für alle gilt: jeder arbeitet ehrenamtlich, neben seinem Job – meist als Lehrer oder Dozent an einer Uni. Wir haben kein Büro, sondern arbeiten vom heimischen Schreibtisch aus. Diese Reihe wird in loser Folge auch im nächsten Jahr fortgesetzt.

Und nochmal ZUM: Im November wurde ich zur 1. Vorsitzenden des Vereins gewählt. Ich bin seit 6 Jahren im Vorstand und arbeite seit 10 Jahren im Wiki. Jetzt eine größere Verantwortung zu übernehmen, war ein großer Schritt für mich. Wir werden sehen, wie die Bilanz in 2 Jahren aussieht und ob ich mich dann soweit organisiert habe, dass meine Arbeit für die ZUM effektiver läuft als bisher. Dadurch bin ich in die Zusammenarbeit mit dem Bündnis freie Bildung sowie dem OER-Award hineingestolpert. All diese spannenden Entwicklungen hätte ich Anfang des Jahres nicht für möglich gehalten.

Seit September leite ich die AG Schülerzeitung meiner Schule. Das war der Hauptgrund für die Einarbeitung in Scribus. Bisher hatte ein Kollege den Hut auf, der die Schule im letzten Schuljahr verließ. Mit ihm verließ fast das gesamte Team mit ihrem Abi im Gepäck die Schule. Die neue Redaktion fand sich in den 6. Klassen. Ich bin überrascht und erstaunt, wie motiviert die Kinder schreiben, wie gut sie in Teams arbeiten können, wie elegant sie auch schon (mit etwas Hilfe) formulieren können. Vor Weihnachten wurde die erste Ausgabe verkauft und es ist kein Exemplar mehr übrig.

Überhaupt, das Schreiben. Ich habe in der Elternzeit wieder einiges selbst geschrieben: einen Artikel, zusammen mit Donat Schmidt, über digitale Medien im Ethikunterricht für das Handbuch Philosophie und Ethik. Nächstes Jahr wird außerdem ein weiterer Artikel von mir allein in einem ähnlichen Buch zum selben Thema erscheinen. Dafür habe ich vor Weihnachten die letzten Korrekturen fertig gestellt. Alles sehr aufregend! Schön zu sehen, dass das Thema endlich Eingang in die Fachdidaktik findet. Im Juni werde ich dazu einen Vortrag bei der Tagung des Landesverbandes Ethik halten.

Neben dem Schreiben habe ich auch viel gezeichnet. Ich steckte meine Familie mit Sketchnotes an. Wir haben 2 Urlaubsbücher mit Sketchnotes illustriert. Dazwischen kleben inzwischen Fotos. Eine schöne Erinnerung.

Geredet habe ich auch, z.B. mit Jöran Muuß-Merholz. Er hat daraus einen Artikel für eine 10-teilige Reihe über „Chancen der Digitalisierung für individuelle Förderung im Unterricht – 10 gute Beispiele aus der Praxis“ gemacht. Und ich bin eins von diesen Beispielen.

Versteckt wurde gerade in den letzten Wochen einiges: ich habe nicht nur Geocaches gesucht, sondern auch inzwischen insgesamt 9 hier in der kleinen Stadt versteckt. Bisher war hier nur einer. Dabei gibt es durchaus viele Ecken, die man sich anschauen kann.

Gesammelt habe ich auch einiges, z.B. die Tweets des Edchatdes im Team Saar+.

Mein Plan, in der Elternzeit Teilzeit arbeiten zu gehen hat sehr gut funktioniert. (Ich habe darüber schon etwas ausführlicher geschrieben.) Für mich, für meine Familie war es ganz gut, dass ich noch weitere Aufgaben hatte. Ganz beiläufig habe ich die Devon Think – Datenbank für Geographie für mich sinnvoll aufgebaut und damit zu arbeiten geschätzt. (Ethik steht noch aus.). Ich genieße die Zeit mit meiner Familie und freue mich auch auf die Unterrichtsstunden bei meinem Abikurs. Und überhaupt: K3 läuft und erobert die Welt. Das ist soooo schön zu erleben und anzuschauen! Nebenbei habe ich genäht, die Geheimnisse des Fotografierens erforscht (wird fortgesetzt) und die Organisation unserer Familientermine optimiert. Wie gesagt: ein gutes Jahr. Ich freue mich, wenn es einfach so weitergeht und ich etwas von dem Schwung in die arbeitsreiche Zeit ab Februar (Ende der Elternzeit) mitnehmen kann.

Pläne für 2016 habe ich auch einige. Ich habe beispielsweise angefangen, für die hiesige Flüchtlingshilfe ein Blog aufgesetzt, das gefüllt werden will. Geschrieben wird auch wieder und natürlich geredet. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit bei der ZUM sowie auf das Educamp in Leipzig.

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gelesen: Peter Bieri – Wie wollen wir leben?

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Das schmale Bändchen umfasst knapp 90 Seiten und drei Vorlesungen von Peter Bieri. Die drei Vorlesungen beschäftigen sich mit

  • Was wäre ein selbstbestimmtes Leben?
  • Warum ist Selbsterkenntnis wichtig?
  • Wie entsteht kulturelle Identität?

Besonders die erste Vorlesung nötigt den Leser zu differenzierter Selbstreflektion, indem hinterfragt wird, welche inneren und äußeren Zwänge auf einen selbst wirken, wie man sich ausdrückt, wo der eigene moralische Standpunkt liegt und welchen Einfluss andere Menschen haben. Die zweite und dritte Vorlesung lassen immer wieder den Essay „Wie wäre es gebildet zu sein“ anklingen.

Interessant fand ich den Gedanken der moralischen Identität, der in allen drei Vorlesungen eine Rolle spielt. In der dritten Vorlesung wird er zu einem Dilemma zugespitzt: Durch einen vorher (und auch im oben erwähnten Essay erläutert) formulierten Gedankengang gehört es zur Bildung, mir über die Zufälligkeit der Einflüsse bewusst zu sein und mich aktiv mit ihrem Entstehen und Wirken auseinander zu setzen. Ebenso ist mein moralischer Standpunkt zufällig der eines Westeuropäers mit eben diesen Werten. Das Spannende daran ist nun folgendes: „Ich weiß von der historischen Bedingtheit meiner Anschauungen und also von ihrer Relativität, und doch kann ich nicht anders, als sie absolut zu setzen, denn sonst ginge die Ernsthaftigkeit meiner Überzeugungen verloren. Es ist dieser Zwiespalt, aus dem heraus man sich entschließen kann einzugreifen, wenn nötig mit Gewalt. Kulturelle Identität kann hier Tod bedeuten.“ (S. 77) Es geht also darum, sich die eigenen Werte und ihre Entstehung im historischen und persönlichen Kontext bewusst zu machen und trotzdem oder gerade deshalb dafür einzustehen. Sokrates klingt hier an.

Ich hänge noch an der folgenden Aussage fest, die für mich eher nach einer These klingt, die es zu diskutieren gilt: „Durch Sprache werden wir zu Wesen, die begründen können, was sie sagen – also zu vernünftigen, denkenden Wesen.“ (S. 67) Hier wird der Sprachgebrauch als Grundlage der Vernunft postuliert. Ist dieser Kausalzusammenhang zwingend?

Alles in allem ein Lesevergnügen, dass mich als Leser immer wieder inne halten ließ um über das Gelesene und meinen Bezug dazu nachzudenken.

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Landestagung Ethik: Anerkennung und Gerechtigkeit in der transkulturellen Gesellschaft

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Seit einigen Jahren bin ich Mitglied im Fachverband Ethik in Baden-Württemberg. Es gab früher einen Fachverband in Sachsen, der allerdings vor einigen Jahren einschlief, um so erfreuter war ich, dass der Fachverband sich in BW aktiver zeigt. Bisher nahm ich von diesem Fachverband kaum etwas wahr, bis mich Mitte April eine Mail erreichte, die an die Landestagung erinnerte. Da die Anmeldefrist bereits 2 Wochen später endete, entschied ich mich recht spontan und überwies den Tagungsbeitrag. Im Hinterkopf hatte ich die guten Reader, die die früheren Landestagungen anscheinend begleiteten. Nun liegt die Tagung bereits hinter mir, sie fand gestern und heute im „Haus auf der Alb“ in Bad Urach statt. Vom Haus, einem denkmalgeschützten Haus im Bauhaus-Stil hatte man einen wunderbaren Blick auf den Albtrauf der Schwäbischen Alb.

Albtrauf

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Twitterfavs im April 2014

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Ich mag Twitter. Ich werde versuchen, mich monatsweise in die Reihe der Dokumentatoren (Link folgt) einzufügen. Das hier sind nicht alle meine besternten Tweets im April, aber doch einige. Manche sind auch nicht besonders lustig, sondern regten mich zum Nachdenken und Nachrecherchieren an. Eine gute Möglichkeit, das Fav-Archiv nochmal durchzuschauen. Ich habe jetzt 198 Tabs offen mit Seiten, die ich mir schon lange sichten wollte …

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Im Alltag bloggen

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Herr Larbig schrieb darüber, wie er das Bloggen in den Alltag integriert. Da ich momentan zwei aktive, öffentliche Blogs und ein privates habe, machte ich mir darüber ein paar Gedanken.

Zunächst zu diesem Weblog hier: es füllt sich ähnlich wie bei Herrn Larbig. Er schreibt, dass es das Nebenprodukt von Gedanken oder Ergebnissen ist. Bei mir ist das ähnlich. Meist schreibe ich darüber, was ich in der Schule gemacht habe, was ich gelesen oder gesehen habe oder manchmal auch wie ich etwas im Unterricht mache. Der Anstoß dazu, es als Blogbeitrag auszuformulieren kommt meist von außen – in Form von Tweets, Anfragen per Mail oder Telefon. Hier muss ich leider gestehen: hätte ich mehr Zeit, könnte ich mehr aufschreiben. So ein Blogbeitrag richtig ausformuliert und mit Screenshots und verständlichen Erklärungen dauert einfach seine Zeit. Das mache ich oft früh morgens, wenn ich mit Unterricht vorbereiten fertig bin. Unterrichtsideen oder Materialien schreibe ich nicht hier ins Weblog, sondern ins ZUM-Wiki (der Hobbes in Balance war eine Ausnahme, vermute ich).

Für das Weblog „Leben mit Kindern“ bereite ich montags ein paar Blogbeiträge vor, die sich aus der voran gegangenen Woche ergeben und plane sie so, dass sie verteilt über die kommende Woche online gehen. Die Beiträge ergeben sich meist aus Tweets oder aus Instagram-Bildern. Ich lese viele Blogs in denen es um Nähen, Basteln, Kochen, Kinder etc. geht. Das ist eine wahre Inspirationsquelle für Dinge, die ich ausprobieren möchte. Im Blog erscheinen dann die Ergebnisse und meine Erfahrungen damit. Außerdem ist momentan Kind2 ein wahrer Fundus für Sprüche, die ohne Kontext funktionieren (meist gibt es den auch gar nicht, weil Kind2 zu schnell die Themen wechselt). Geheimes Ziel dieses Blogs ist es, meiner Kollegin (die dort auch mit bloggt, aber bisher noch sehr selten) zu zeigen, dass bloggen ganz einfach ist, damit sie sich irgendwann traut, ein Weblog mit Schülern zu nutzen ;)).

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