Über Twitter hatte ich schon länger Kontakt mit Eymen Khamassi, einem Philosophie-Lehramts-Studenten aus Köln. Er schrieb seine Examensarbeit über digitale Medien im Ethik- und Philosophieunterricht. Er schrieb mir von einem Twitterchat mit Schülern. Ich wollte das schon länger mal ausprobieren und so probierte ich genau sein Setting aus. Ich hatte dadurch weniger Vorarbeit und er konnte seine Idee im echten Unterrichtsalltag umgesetzt sehen. Ich schreibe jetzt ein wenig zur Vorbereitung, Durchführung und zur Auswertung. Ich freue mich, wenn jemand diese Idee aufgreift und weiter entwickelt und hier in den Kommentaren von seinen eigenen Erfahrungen berichtet. Dass der amerikanisch Präsident twittert ist zur Zeit – unabhängig von den Inhalten – übrigens tatsächlich auch für Schüler ein Argument, Twitter zumindest einmal auszuprobieren.

Vorarbeit: Wir haben die Vertragstheorien von Smith, Hobbes, Rousseau und Rawls im Unterricht ganz klassisch anhand von Texten erarbeitet. Zur Vertiefung und damit sich die Schüler noch einmal – auch im Vergleich mit allen vier Ansätzen beschäftigen müssen, kam dann der Twitterchat zum Einsatz. Ich habe am Abend zuvor vier Twitter-Accounts angelegt: der Name des Philosophen, dann ein Unterstrich und dazu gg – für den Namen unserer Schule. Da ich sie alle auf die selbe Mailadresse und vom selben Computer, kurz hintereinander angelegt habe, dachte Twitter wohl, es seien Spam-Accounts. Bei zweien hatte sich das Twitter schon an dem Abend überlegt und ich konnte entsprechend handeln, bei den anderen beiden erst im Laufe der Nacht, sodass diese beiden Accounts nicht an unserer Twitterwall sichtbar waren.
Eine weitere Vorarbeit meinerseits: nachdem ein Hashtag gefunden war, der mit Philosophie zu tun hatte, kurz und knapp war sowie schon über ein Jahr ungenutzt war (#philochat), bereitete ich mit Tweetdeck die Fragen von Eymen vor. Ich stellte alle so ein, dass sie während der Unterrichtszeit in etwa im 5-Minuten-Takt veröffentlicht werden. Insgesamt waren es 10 Fragen. Für meine Schüler bereitete ich einen Aufgabenzettel vor (bei den Schülern stand selbstverständlich ein Passwort dabei ;)):

im Unterricht: Da wir eine Doppelstunde hatten und ich den Twitterchat für die 2. Stunde geplant hatte, musste ich etwas mehr als sonst auf die Zeit achten. Knapp aber rechtzeitig teilte ich meine Schüler in 4 Gruppen á 3 Schüler ein und gab ihnen die Aufgabe. Der Twitterchat begann mit der Vorstellungsrunde. Während des Unterrichts blendete ich auf dem Whiteboard eine Twitterwall ein. Ich probierte einfach die aus diesem Artikel, welche tatsächlich funktionierte und mit unserem manchmal etwas langsamen Internet in der Schule auch zu halbwegs passablen Ergebnissen führte… Außerdem versuchte ich herauszufinden, warum zwei der Accounts nicht eingeblendet werden, s.o. … Meine Schüler kämpften mit / gegen die alten Computer.

Nacharbeit: Ich erstellte mit Tags eine Dokumentation des Twitterchats. Etwas aufgehübscht und sortiert sah es dann so aus. In der nächsten Unterrichtsstunde besprachen wir den Twitterchat noch einmal kurz nach:
Ist das Format sinnvoll zur Zusammenfassung philosophischer Theorien?
Wie war es für die Schüler, sich in andere Personen hineinversetzen zu müssen?
Wie war es, sich kurz fassen zu müssen (eine Woche vorher wurde das Twitter-Zeichenlimit von 140 auf 280 hoch gesetzt ;))?
Blick aufs Twitterprotokoll: Sind die Inhalte verständlich und prägnant genug?
Hat der Twitterchat Spaß gemacht und sollte wiederholt werden?

Meinen Schülern hat das Experiment gut gefallen. Leider waren sie durch die alten Computer etwas ausgebremst. Aus meiner Beobachtung hätten auch 2 Schüler pro Gruppe gereicht, dafür hätte man dann manche Philosophen evtl. doppelt besetzen können. Ich fand es sehr spannend und konnte auch sehen, welche Schüler bereits Erfahrung mit Twitter haben und für wen das komplettes Neuland war.