Categotry Archives: Allgemein

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Februar 2019

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Wie letzten Monat auch fasse ich die wöchentliche Beiträge aus dem anderen Blog mit thematischem Bezug hier zusammen.

Gespräche. Ich mag meinen Beruf. In dieser Woche (die aus viel Schule bestand, s.o.) hatte ich einige wunderbare Gespräche mit Schülerinnen und Schülern rund um Ethik / Philosophie und das Leben an sich. Eigentlich habe ich in jeder Woche tolle Gespräche, aber in dieser häuften sie sich. Und: nachdem in der letzte Woche einige SchülerInnen am Fridays for Future-Streik teilgenommen hatten, ließ ich diese Woche bewusst das Auto stehen und lief oder fuhr mit dem Rad zur Schule. Das ist ganz nett, wenn man allein unterwegs ist. Wenn ich aber noch zwei Kinder mit in die Kita schaffen und selbst zur ersten Stunde muss, es regnet und das Kleinvolk am liebsten drinnen spielen will, wird es dann doch aufwendiger. Aber: geschafft.

Schreiben. Ich schreibe aktuell an einem Artikel für eine Zeitschrift über effiziente Unterrichtsvorbereitung – Tipps und Tricks. Gar nicht so einfach, sich da zu beschränken ;).

Digitale Schule. Vor 5 Jahren telefonierte ich etwa eine Stunde mit Jöran Muuß-Merholz und erzählte, wie ich digitale Medien im Unterricht nutze. Im Rahmen einer Bertelsmann Studie zum individuellen Lernen verfasste er unter anderem 10 Porträts von LehrerInnen aus ganz Deutschland, alle hatten von ihrem Unterrichtsalltag erzählt. Damit war er wohl etwas seiner Zeit voraus … inzwischen nutzen immer mehr Kolleginnen und Kollegen digitale Medien und das Interesse daran wächst. So brachte er diese 10 Porträts nochmals, nur geringfügig verändert, als Buch heraus – und in dieser Woche erhielt ich eins der Exemplare. Übrigens ist der Untertitel des Buches: „Was heute schon im Unterricht geht.“ – es müsste eigentlich heißen: „Was vor fünf Jahren schon im Unterricht ging und immer noch nicht überall normal ist“, aber das wäre wohl nicht verkaufsfördernd 

Mein Ethikblog, von dem ich damals erzählte, gibt es zwar nicht mehr, dafür aber ein anderes. Schon lange schwirrt mir im Kopf herum, nicht nur geschriebene Texte dort rein zu packen, sondern auch einen Podcast dazu zu machen. Das habe ich mit meiner Ethikgruppe in der Klasse 12 am Freitag erstmals in Angriff genommen. Sie diskutierten ca. 35 Minuten über Ehe für alle, Homosexualität und verschiedene Sichtweisen der Religion auf dieses Thema. Wir entscheiden gemeinsam nächste Woche, ob wir ihn veröffentlichen. Ich lauschte ja nur, fand es aber sehr spannend. Ich freue mich darüber, dass junge Menschen etwas zu sagen haben, Meinungen vertreten, hinterfragen und begründen.

Gebloggt. Für die ZUM schrieb ich einen Blogpost darüber, warum Werbung auf zum.de nötig ist. Und was wir mit dem Geld machen.

Uploadfilter. Ich las ein paar Artikel über den geplanten Uploadfilter. Es ist traurig und falls er tatsächlich kommt, wird sich für die ZUM einiges ändern (müssen). Falls du einigen EU-Abgeordneten die Meinung sagen willst: Anja Lorenz hat da einen ganz guten Vorschlag. Hier ist der Link zu einer Petition dagegen.

(Unser ZUM-Problem beschreibt Netzpolitik.org in kurzen Worten so: Betreiber von Internetplattformen müssen nach Artikel 13 des Vorschlags jedes von Nutzern hochgeladene Bild, jede Tonaufnahme und jedes Video vor der Veröffentlichung prüfen. Das gilt für Webseiten oder Apps, die von Nutzern erstellte Inhalte anbieten. Erfüllen lässt sich die Verpflichtung nur mit Filtern, die für kleine Anbieter teuer und schwer umsetzbar sind (…).)


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Januar 2019

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Ich sollte mehr bloggen…. ich trage also den Januar nach. Im anderen Blog schreibe ich seit Jahresanfang jede Woche eine Kurzzusammenfassung. Die Dinge, die zeitgemäße Bildung oder Schule allgemein betreffen, werde ich monatlich hier sammeln.

Schreiben: Nachdem ein Mitstreiter im ZUM-unterrichten so wunderbares Unterrichtsmaterial über die griechische Antike eingestellt hat, habe ich zumindest Sokratesergänzt. Platon steht noch aus ;).

Ordnen: vor einigen Jahren (*hust*) bekam ich einen Brief, dass ich für meine Versorgungsauskunft (aka Berechnung der Pensionsansprüche) meinen beruflichen Werdegang lückenlos darstellen muss: als Tabelle mit Belegen. Bisher immer beiseite geschoben – nun wirklich mal erledigt und dabei gleich mal einen Ordner mit wichtigen Unterlagen angelegt, diese eingescannt und vieles andere entsorgt – wenn es brennt, schnappe ich mir diesen Ordner  Habt ihr auch so einen Ordner? Und wenn ja: was ist bei euch drin? Bei mir sind bis jetzt die Geburtsurkunden, Vaterschafts-und Sorgeerklärungen, Abschlusszeugnisse und Infos über Versicherungen drin. Außerdem habe ich die Serie von Marie Kondo auf Netflix angefangen. Es arbeitet.

Arbeiten: meine Schüler schrieben viel im Ethikblog. Ich las und freute mich über die Gedanken, Argumente, Positionen. Viel zu schade, wenn nur ich das lese!

gelesen: ich las einen Artikel zur #10yearschallenge. Zahlreiche Nutzer bei Facebook, Instagram und Twitter zeigten von sich Bilder von 2009 und 2019. Im Artikel geht es darum, wofür diese Daten nützlich sein könnten. Eine Möglichkeit ist, dass damit die Gesichtserkennungssoftware auf Alterungsprozesse trainiert werden kann. Ein positiver Nutzen wäre, dass auch nach Jahren noch ein recht genaues Bild von vermissten Personen (oder Kindern) veröffentlicht werden könnte. Es gibt aber auch sehr viel Missbrauchspotential…

Humans are the connective link between the physical and digital worlds. Human interactions are the majority of what makes the Internet of Things interesting. Our data is the fuel that makes businesses smarter and more profitable.

We should demand that businesses treat our data with due respect, by all means. But we also need to treat our own data with respect. (Quelle)

Außerdem las ich einen Artikel über die Bindungsprobleme der Kriegskinder (und Kriegsenkel?), da sie mit dem Buch „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ erzogen wurden. Das erklärt ein Stück weit für mich die grundsätzliche Gegenbewegung der absoluten Bedürfnisorientierung, die seit einigen Jahren durch die Blogs schwappt. Beides war mir bisher suspekt, ohne es genau benennen zu können. Der Artikel erhellte daher einiges.

Greta. Am Freitag waren mehrere meiner Schüler bei den Fridays for Future – Streiks in der nächst größeren Stadt. Ich finde das richtig und wichtig. Ich habe schon vor einiger Zeit mit einigen Ethikgruppen Reden von Greta Thunberg angeschaut. Es wird Zeit, dass sich etwas bewegt und dass die Jugendlichen zeigen, dass ihnen das Thema am Herzen liegt.

Datenschutzbehörde. Nun, mit dem Datenschutzbeauftragten hatte ich unfreiwillig zu tun, denn die ZUM hatte (vermutlich schon 2011/12) ein Datenleck. Es betrifft glücklicherweise „nur“ etwa 1700 Datensätze – also nur einen eher kleinen Teil der ZUM-Nutzer. Aber ärgerlich ist es trotzdem und einiges an Zusatzgeschäft…

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Twitterchat im Ethikunterricht

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Über Twitter hatte ich schon länger Kontakt mit Eymen Khamassi, einem Philosophie-Lehramts-Studenten aus Köln. Er schrieb seine Examensarbeit über digitale Medien im Ethik- und Philosophieunterricht. Er schrieb mir von einem Twitterchat mit Schülern. Ich wollte das schon länger mal ausprobieren und so probierte ich genau sein Setting aus. Ich hatte dadurch weniger Vorarbeit und er konnte seine Idee im echten Unterrichtsalltag umgesetzt sehen. Ich schreibe jetzt ein wenig zur Vorbereitung, Durchführung und zur Auswertung. Ich freue mich, wenn jemand diese Idee aufgreift und weiter entwickelt und hier in den Kommentaren von seinen eigenen Erfahrungen berichtet. Dass der amerikanisch Präsident twittert ist zur Zeit – unabhängig von den Inhalten – übrigens tatsächlich auch für Schüler ein Argument, Twitter zumindest einmal auszuprobieren.

Vorarbeit: Wir haben die Vertragstheorien von Smith, Hobbes, Rousseau und Rawls im Unterricht ganz klassisch anhand von Texten erarbeitet. Zur Vertiefung und damit sich die Schüler noch einmal – auch im Vergleich mit allen vier Ansätzen beschäftigen müssen, kam dann der Twitterchat zum Einsatz. Ich habe am Abend zuvor vier Twitter-Accounts angelegt: der Name des Philosophen, dann ein Unterstrich und dazu gg – für den Namen unserer Schule. Da ich sie alle auf die selbe Mailadresse und vom selben Computer, kurz hintereinander angelegt habe, dachte Twitter wohl, es seien Spam-Accounts. Bei zweien hatte sich das Twitter schon an dem Abend überlegt und ich konnte entsprechend handeln, bei den anderen beiden erst im Laufe der Nacht, sodass diese beiden Accounts nicht an unserer Twitterwall sichtbar waren.
Eine weitere Vorarbeit meinerseits: nachdem ein Hashtag gefunden war, der mit Philosophie zu tun hatte, kurz und knapp war sowie schon über ein Jahr ungenutzt war (#philochat), bereitete ich mit Tweetdeck die Fragen von Eymen vor. Ich stellte alle so ein, dass sie während der Unterrichtszeit in etwa im 5-Minuten-Takt veröffentlicht werden. Insgesamt waren es 10 Fragen. Für meine Schüler bereitete ich einen Aufgabenzettel vor (bei den Schülern stand selbstverständlich ein Passwort dabei ;)):

im Unterricht: Da wir eine Doppelstunde hatten und ich den Twitterchat für die 2. Stunde geplant hatte, musste ich etwas mehr als sonst auf die Zeit achten. Knapp aber rechtzeitig teilte ich meine Schüler in 4 Gruppen á 3 Schüler ein und gab ihnen die Aufgabe. Der Twitterchat begann mit der Vorstellungsrunde. Während des Unterrichts blendete ich auf dem Whiteboard eine Twitterwall ein. Ich probierte einfach die aus diesem Artikel, welche tatsächlich funktionierte und mit unserem manchmal etwas langsamen Internet in der Schule auch zu halbwegs passablen Ergebnissen führte… Außerdem versuchte ich herauszufinden, warum zwei der Accounts nicht eingeblendet werden, s.o. … Meine Schüler kämpften mit / gegen die alten Computer.

Nacharbeit: Ich erstellte mit Tags eine Dokumentation des Twitterchats. Etwas aufgehübscht und sortiert sah es dann so aus. In der nächsten Unterrichtsstunde besprachen wir den Twitterchat noch einmal kurz nach:
Ist das Format sinnvoll zur Zusammenfassung philosophischer Theorien?
Wie war es für die Schüler, sich in andere Personen hineinversetzen zu müssen?
Wie war es, sich kurz fassen zu müssen (eine Woche vorher wurde das Twitter-Zeichenlimit von 140 auf 280 hoch gesetzt ;))?
Blick aufs Twitterprotokoll: Sind die Inhalte verständlich und prägnant genug?
Hat der Twitterchat Spaß gemacht und sollte wiederholt werden?

Meinen Schülern hat das Experiment gut gefallen. Leider waren sie durch die alten Computer etwas ausgebremst. Aus meiner Beobachtung hätten auch 2 Schüler pro Gruppe gereicht, dafür hätte man dann manche Philosophen evtl. doppelt besetzen können. Ich fand es sehr spannend und konnte auch sehen, welche Schüler bereits Erfahrung mit Twitter haben und für wen das komplettes Neuland war.