Categotry Archives: gelesen

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gelesen: Harry Mulisch – Die Elemente

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Geschichte: ein Mann Mitte/Ende Dreißig macht mit seiner Frau und den beiden halbwüchsigen Kindern Urlaub auf Kreta. Eine Vorzeigefamilie, die allerhand Probleme im zwischenmenschlichen Bereich hat. Als Leser wird man direkt angesprochen und ins Geschehen einbezogen – das ist etwas ungewohnt. Zwischendurch bekommt man Lektionen über die griechische Antike und Mythologie. Das ist auch in „Die Entdeckung des Himmels“ vom selben Autor so, dort aber weniger störend. Gegen Ende passieren dann wunderliche Dinge die als „Spielball der Götter“ verstanden werden sollen.

–> Die Geschichte war schnell gelesen, es ist ja auch nur ein „Kleiner Roman“, wie es auf dem Cover steht. Sonderlich begeistert hat mich die Geschichte aber nicht. (Im Gegensatz zur „Entdeckung des Himmels“, was mich damals sehr begeisterte. Wohl deshalb kaufte ich auch dieses Buch.)

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gelesen: Vernetzt euch!

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Vernetzt euch!
Vernetzt euch!, .

(für die interne Statistik)

Ich fand das kleine Büchlein sehr rasant zu lesen. Eine gute Beschreibung der Ereignisse in Tunesien aus persönlicher Sicht. Das Buch ist chronologisch aufgebaut, es geht aber kaum über die Beschreibung hinaus. Lediglich die letzten beiden Seiten verdienen den Titel „Streitschrift“, denn erst darin wird das Anliegen von der bloßen Beschreibung abstrahiert und in einen allgemeineren Rahmen gestellt. Schade, vom Titel (und der Reihe, in der das Buch rauskam) hatte ich mir mehr erhofft.

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gelesen: zweitausendeins. Der Versand.

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Das Buch von Mathias Bröckers erzählt, wie sich der immer noch erfolgreiche Versandhandel entwickelt hat, wie er zwischenzeitlich Standortbestimmungsprobleme hatte (Versand? Verlag? Neckermann für Intellektuelle?) und generell von seinem Selbstverständnis. Dabei schreibt Herr Bröckers recht amüsant, verknüpft geschichtliche Ereignisse und deutet sie nach zweitausendeins-Manier um („2001: das Jahr, das nach uns benannt wurde“ oder auch „1988: Das Jahr, als wir die CD erfanden“).  Nebenbei erfährt man einiges über das Verlagswesen in Deutschland sowie über den Umgang mit Autoren.

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gelesen: Krieg

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von Janne Teller, Untertitel: Stell dir vor, er wäre hier.

Ein Perspektivwechsel als Gedankenexperiment: wenn hier in Deutschland Krieg wäre und wir darauf angewiesen wären, in fremden Ländern Asyl zu suchen. Welche Widerstände würden uns treffen? Dahinter steht immer die Frage: Welche Steine legen wir Fremden in den Weg, die zu uns kommen?

Ein schön geschriebenes (recht kurzes) Buch. Es wurde zunächst als Essay veröffentlicht und später als Buch wie ein Pass gestaltet. Es bietet außer dem angesprochenen Perspektivwechsel keine wirklich neuen Erkenntnisse und Einblicke und ist in weniger als einer Stunde durchgelesen, aber die beklemmende Frage bleibt:

„Denn wenn es eines Tages doch so käme, wäre es dann nicht sehr tröstlich, die gefahrvolle Suche nach Zuflucht und einem besseren Leben in vollem Vertrauen auf die Erkenntnis anzutreten, dass damals, als wir selbst in Sicherheit waren, jeder Einzelne dazu beitrug, die ethischen Grundsätze menschlicher Zivilisation zu sichern und zu verbreiten, dass alle Menschen gleich geschaffen wurden und jeder die Menschen so behandeln soll, wie er selbst von ihnen behandelt werden will?“

(Die Autorin hat auch Nichts, was im Leben wichtig ist geschrieben. Das liegt ganz oben auf meinem Lesestapel)

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35

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(Rolf Dobelli: Fünfunddreißig. Eine MidlifeStory)

Ein ganzes Buch voll von Erinnerungsfetzen, Vereinfachungen, Erkenntnissen, gemischt mit phänomenologischen Analysen eines verregneten Nachmittags/Abends auf einer Parkbank am Züricher See. Alles nur gedacht vom Protagonisten Gehrer. Ich bin (noch) keine 35, aber in einigen Gedanken fand ich mich doch auch schon wieder…

Hier noch ein Absatz zu Gedanken:

„Alles Denken hilflos. Statt dessen Wiederkäuen von Schon-Gedachtem. Fetzen von Schon-Gehofftem, Schon-Erlebtem. Kaleidoskopische Langeweile auch ohne Symmetrie. Amorphes Denken, richtungslos und öd. Warum Denken, wenn es zu keinen neuen Einsichten führt? Manchmal die bange Frage, wer es ist, der da denkt, wenn er denkt.“

Der Autor, so habe ich gelesen, soll sich an Max Frisch orientieren. Hier noch mehr seiner Bücher.

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Filter, digitale Bevormundung, etc.

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Stefan Schmitt schreibt auf ZEIT-online in seinem Artikel „automatisch vorsortiert“ über die digitale Bevormundung (was für ein schöner Ausdruck!) durch Google und Facebook. Er zeigt, welche Auswirkungen heutzutage Filter haben und wie diese eingesetzt werden. Dass es bei personalisierter Werbung funktioniert, ist bekannt. Dass es aber auch bei einfachen Google-Suchanfragen greift, hatte ich bisher nur geahnt. An einem Beispiel macht er das deutlich: er lässt Kant, Nietzsche und Foucault googlen. Erst suchen sie nach Teilen aus ihren jeweiligen Werken und dann nach alltäglichen Begriffen – die Suchergebnisse sind, da ja unterschiedliche Interessen vorhanden sind – verschieden. Daraus ergibt sich für Schmitt eine logische Konsequenz: wir werden in unserer Freiheit beschnitten: Das Internet wirft uns nur das zurück, was wir auch sehen wollen – wie ein Spiegel.

Cass Sunstein schrieb: »Unerwartete Begegnungen mit fremden, ja irritierenden Themen und Meinungen sind zentral für die Demokratie und die Freiheit selbst.«

Bei diesem Zusammenhang, der logisch folgt, drängt sich mir ein Gedanke auf: ist das eine Herausforderung, die Schule annehmen sollte? Mit neuen Ideen, unerwarteten Zusammenhängen konfrontieren, für Verblüffungen und Horizonterweiterungen sorgen? Das fände ich ganz spannend…

Und natürlich folgt am Ende wieder der Ruf nach einer Medien-/Technikethik: „Das würde bedeuten: Wer filtert, muss es transparent machen. Wer Relevanz definiert, muss es erläutern. Wer weglässt, muss darauf hinweisen.“

Uns erwartet eine spannende Zeit!

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Empört euch!

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Letzte Woche las ich in knapp einer Stunde das Buch „Empört euch!“ von Stéphane Hessel, einem Mitautor der Deklaration der Menschenrechte. Den Tipp dies zu tun entnahm ich einem sehr langen Weblogeintrag von @zellmi über das Buch.

Ich habe an einige Stellen des Buches „gut zitierfähig“ drangeschrieben. Zumindest eine Stelle werde ich abtippen:

„Ich wünsche allen, jedem Einzelnen von euch einen Grund zur Empörung. Das ist kostbar. Wenn man sich über etwas empört, wie mich der Naziwahn empört hat, wird man aktiv, stark und engagiert. Man verbindet sich mit dem Strom der Geschichte, und der große Strom der Geschichte nimmt seinen Lauf dank dem Engagement der Vielen – zu mehr Gerechtigkeit und Freiheit, wenn auch nicht zur schrankenlosen Freiheit des Fuchses im Hühnerstall.“

Dieses Buch fasst relativ kurz zusammen, was in unserer Welt schief läuft und auf fast jeder Seite wird klar, das und was sich ändern sollte/muss. Für mich stellte sich die Frage, ob wir, meine Generation oder meine Kinder, die nächste Generation, je diese Probleme lösen können. Wichtig sind in jedem Fall neue Ideen, neue Wege. Ich habe für mich entschieden, dass ich meine Schüler (und auch meine Kinder) auf Missstände aufmerksam mache und ev. Alternativen zeige – eine andere Welt ist möglich, die Augen davor zu verschließen halte ich für grundsätzlich falsch.

Am liebsten möchte ich meinen Schülern zurufen: Empört euch!

 

(Anmerkung: übrigens sehr viele Verweise auf französische Existentialisten im Buch)

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