Categotry Archives: gelesen

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März 2019

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Wie im vorletzten Monat und im letzten auch fasse ich die wöchentliche Beiträge aus dem anderen Blog mit thematischem Bezug hier zusammen.

Reichtum. Auf der Globalrichtlist kann man sich anzeigen lassen, der wievielt reichste man ist. Erschreckend. Über den Link bin ich im Transform-Magazin gestolpert. Das Magazin hat folgende Intention:

Das transform Magazin gibt Anstöße für den gesellschaftlichen Wandel, ohne eine Richtung vorzuschreiben. Das unabhängige Heft stellt Menschen und Ideen vor, die sich und Umfeld verändern – hin zu einem guten Leben. Der gehobene Zeigefinger bleibt dabei stets in der Tasche. Denn statt zu missionieren, will das transform Magazin inspirieren. Das jährlich erscheinende Printmagazin wird von Menschen aus Berlin, Leipzig und Hamburg sowie vielen freien Zuarbeitenden produziert. Das Team verzichtet dabei bewusst auf Werbung, ganz dem transform-Ansatz folgend, dass weniger Konsum den Weg zu einem schöneren Leben erst möglich macht. Wie das Gute Leben schlussendlich aussieht und wie es sich verteilen lässt, wird durch eine Vielzahl verschiedenster Ansichten erörtert.

(Hervorhebungen von mir, Quelle)

Mobbing. Eine Schülerin aus der Mittelstufe lieh mir ein Buch, dass ich an einem Wochenende las. Ich überlege nun, ob ich es mit den SchülerInnen in Auszügen lese und was wir drumrum noch machen könnten. Es ist eine sehr berührende Geschichte.

ZUM. Wir haben einen offenen Brief an die EU-Abgeordneten veröffentlicht, der sie auffordert, gegen den Upload-Filter zu stimmen. Der Tweet dazu wurde sehr oft geteilt, sogar Heise berichtete darüber. (Und wieder stellte ich fest, dass man die Kommentare bei Heise eigentlich nicht lesen darf.) In dem Zusammenhang las ich auch ein Interview mit Markus Deimann zum Thema OER und Digitalisierung.

Artikel 13: Im März schaltete sich die Wikipedia aus Protest gegen die neue Urheberrechtsreform der EU ab. Wir als ZUM schlossen uns mit mehreren Plattformen an.

effiziente Unterrichtsgestaltung: Ich schrieb meinen Artikel mit Tipps und Tricks zur Unterrichtsvorbereitung im echten Alltag fertig und gab ihn zwei Tage zu spät ab.

Schule. Meine Schüler und Schülerinnen der Klassenstufe 10 haben sich Anfang des Schuljahres mit Fast Fashion beschäftigt. Dabei entstand auch die Idee, eine Kleidertausch-Party zu veranstalten. Diese fand am Mittwoch statt. Es waren ausschließlich Schülerinnen der Klassen 9-12 da und ich glaube, die meisten fanden es ganz gut und jede hat was gefunden.

Podcast. Ich war ganztägig bei einer Fortbildung 1,5h Autofahrt weg. Die Zeit nutzte ich um die 2. Folge des Soziopods lernen lernen mit Dejan über zeitgemäße Bildung zu hören. Ein paar sehr spannende Gedanken. Ich werde einige davon in die Praxis mitnehmen. Auf der Rückfahrt hörte ich die 1. Folge dieses Podcasts mit Lisa Rosa. Das ließ mich darüber nachgrübeln, wie ich die Podcasts mit meinen Schülern der 12. Klasse besser vorbereiten kann, damit sie auch mal den Mut haben, einen zu veröffentlichen 

ZUM. Am 2. März-Wochenende war ich beim Vorstandstreffen der ZUM in Würzburg. Wir haben die personellen und finanziellen Ressourcen analysiert und dadurch die Weiterarbeit definiert. Es war wieder mal sehr schön, die Vorstandskollegen in echt zu treffen.

Ethik. Ich las über die Positionen der verschiedenen Religionen zum Thema Schwangerschaftsabbruch. (123) Hintergrund ist der, dass meine Schülerinnen und Schüler der 12. Klasse regelmäßig einen Podcast aufnehmen, aber bisher noch keine Folge in ihren Augen gut genug für eine Veröffentlichung war. Also bot ich an, bei diesem Thema die Moderation zu übernehmen. Die philosophischen Begründungen kenne ich, aber die Nuancen der religiösen Ablehnung waren interessant nochmal nachzulesen. Wir wollten über ein ethisches Problem und die Sicht der Religionen diskutieren. Evtl. wäre es sinnvoller gewesen, ein kontroverseres ethisches Problem zu wählen. Eine gute Diskussion war es trotzdem.

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Februar 2019

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Wie letzten Monat auch fasse ich die wöchentliche Beiträge aus dem anderen Blog mit thematischem Bezug hier zusammen.

Gespräche. Ich mag meinen Beruf. In dieser Woche (die aus viel Schule bestand, s.o.) hatte ich einige wunderbare Gespräche mit Schülerinnen und Schülern rund um Ethik / Philosophie und das Leben an sich. Eigentlich habe ich in jeder Woche tolle Gespräche, aber in dieser häuften sie sich. Und: nachdem in der letzte Woche einige SchülerInnen am Fridays for Future-Streik teilgenommen hatten, ließ ich diese Woche bewusst das Auto stehen und lief oder fuhr mit dem Rad zur Schule. Das ist ganz nett, wenn man allein unterwegs ist. Wenn ich aber noch zwei Kinder mit in die Kita schaffen und selbst zur ersten Stunde muss, es regnet und das Kleinvolk am liebsten drinnen spielen will, wird es dann doch aufwendiger. Aber: geschafft.

Schreiben. Ich schreibe aktuell an einem Artikel für eine Zeitschrift über effiziente Unterrichtsvorbereitung – Tipps und Tricks. Gar nicht so einfach, sich da zu beschränken ;).

Digitale Schule. Vor 5 Jahren telefonierte ich etwa eine Stunde mit Jöran Muuß-Merholz und erzählte, wie ich digitale Medien im Unterricht nutze. Im Rahmen einer Bertelsmann Studie zum individuellen Lernen verfasste er unter anderem 10 Porträts von LehrerInnen aus ganz Deutschland, alle hatten von ihrem Unterrichtsalltag erzählt. Damit war er wohl etwas seiner Zeit voraus … inzwischen nutzen immer mehr Kolleginnen und Kollegen digitale Medien und das Interesse daran wächst. So brachte er diese 10 Porträts nochmals, nur geringfügig verändert, als Buch heraus – und in dieser Woche erhielt ich eins der Exemplare. Übrigens ist der Untertitel des Buches: „Was heute schon im Unterricht geht.“ – es müsste eigentlich heißen: „Was vor fünf Jahren schon im Unterricht ging und immer noch nicht überall normal ist“, aber das wäre wohl nicht verkaufsfördernd 

Mein Ethikblog, von dem ich damals erzählte, gibt es zwar nicht mehr, dafür aber ein anderes. Schon lange schwirrt mir im Kopf herum, nicht nur geschriebene Texte dort rein zu packen, sondern auch einen Podcast dazu zu machen. Das habe ich mit meiner Ethikgruppe in der Klasse 12 am Freitag erstmals in Angriff genommen. Sie diskutierten ca. 35 Minuten über Ehe für alle, Homosexualität und verschiedene Sichtweisen der Religion auf dieses Thema. Wir entscheiden gemeinsam nächste Woche, ob wir ihn veröffentlichen. Ich lauschte ja nur, fand es aber sehr spannend. Ich freue mich darüber, dass junge Menschen etwas zu sagen haben, Meinungen vertreten, hinterfragen und begründen.

Gebloggt. Für die ZUM schrieb ich einen Blogpost darüber, warum Werbung auf zum.de nötig ist. Und was wir mit dem Geld machen.

Uploadfilter. Ich las ein paar Artikel über den geplanten Uploadfilter. Es ist traurig und falls er tatsächlich kommt, wird sich für die ZUM einiges ändern (müssen). Falls du einigen EU-Abgeordneten die Meinung sagen willst: Anja Lorenz hat da einen ganz guten Vorschlag. Hier ist der Link zu einer Petition dagegen.

(Unser ZUM-Problem beschreibt Netzpolitik.org in kurzen Worten so: Betreiber von Internetplattformen müssen nach Artikel 13 des Vorschlags jedes von Nutzern hochgeladene Bild, jede Tonaufnahme und jedes Video vor der Veröffentlichung prüfen. Das gilt für Webseiten oder Apps, die von Nutzern erstellte Inhalte anbieten. Erfüllen lässt sich die Verpflichtung nur mit Filtern, die für kleine Anbieter teuer und schwer umsetzbar sind (…).)


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Januar 2019

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Ich sollte mehr bloggen…. ich trage also den Januar nach. Im anderen Blog schreibe ich seit Jahresanfang jede Woche eine Kurzzusammenfassung. Die Dinge, die zeitgemäße Bildung oder Schule allgemein betreffen, werde ich monatlich hier sammeln.

Schreiben: Nachdem ein Mitstreiter im ZUM-unterrichten so wunderbares Unterrichtsmaterial über die griechische Antike eingestellt hat, habe ich zumindest Sokratesergänzt. Platon steht noch aus ;).

Ordnen: vor einigen Jahren (*hust*) bekam ich einen Brief, dass ich für meine Versorgungsauskunft (aka Berechnung der Pensionsansprüche) meinen beruflichen Werdegang lückenlos darstellen muss: als Tabelle mit Belegen. Bisher immer beiseite geschoben – nun wirklich mal erledigt und dabei gleich mal einen Ordner mit wichtigen Unterlagen angelegt, diese eingescannt und vieles andere entsorgt – wenn es brennt, schnappe ich mir diesen Ordner  Habt ihr auch so einen Ordner? Und wenn ja: was ist bei euch drin? Bei mir sind bis jetzt die Geburtsurkunden, Vaterschafts-und Sorgeerklärungen, Abschlusszeugnisse und Infos über Versicherungen drin. Außerdem habe ich die Serie von Marie Kondo auf Netflix angefangen. Es arbeitet.

Arbeiten: meine Schüler schrieben viel im Ethikblog. Ich las und freute mich über die Gedanken, Argumente, Positionen. Viel zu schade, wenn nur ich das lese!

gelesen: ich las einen Artikel zur #10yearschallenge. Zahlreiche Nutzer bei Facebook, Instagram und Twitter zeigten von sich Bilder von 2009 und 2019. Im Artikel geht es darum, wofür diese Daten nützlich sein könnten. Eine Möglichkeit ist, dass damit die Gesichtserkennungssoftware auf Alterungsprozesse trainiert werden kann. Ein positiver Nutzen wäre, dass auch nach Jahren noch ein recht genaues Bild von vermissten Personen (oder Kindern) veröffentlicht werden könnte. Es gibt aber auch sehr viel Missbrauchspotential…

Humans are the connective link between the physical and digital worlds. Human interactions are the majority of what makes the Internet of Things interesting. Our data is the fuel that makes businesses smarter and more profitable.

We should demand that businesses treat our data with due respect, by all means. But we also need to treat our own data with respect. (Quelle)

Außerdem las ich einen Artikel über die Bindungsprobleme der Kriegskinder (und Kriegsenkel?), da sie mit dem Buch „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ erzogen wurden. Das erklärt ein Stück weit für mich die grundsätzliche Gegenbewegung der absoluten Bedürfnisorientierung, die seit einigen Jahren durch die Blogs schwappt. Beides war mir bisher suspekt, ohne es genau benennen zu können. Der Artikel erhellte daher einiges.

Greta. Am Freitag waren mehrere meiner Schüler bei den Fridays for Future – Streiks in der nächst größeren Stadt. Ich finde das richtig und wichtig. Ich habe schon vor einiger Zeit mit einigen Ethikgruppen Reden von Greta Thunberg angeschaut. Es wird Zeit, dass sich etwas bewegt und dass die Jugendlichen zeigen, dass ihnen das Thema am Herzen liegt.

Datenschutzbehörde. Nun, mit dem Datenschutzbeauftragten hatte ich unfreiwillig zu tun, denn die ZUM hatte (vermutlich schon 2011/12) ein Datenleck. Es betrifft glücklicherweise „nur“ etwa 1700 Datensätze – also nur einen eher kleinen Teil der ZUM-Nutzer. Aber ärgerlich ist es trotzdem und einiges an Zusatzgeschäft…

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freie Unterrichtsmaterialien finden, rechtssicher einsetzen, selbst machen und teilen …

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Jöran schrieb ein interessantes Buch zu OER. Jedenfalls fand es in unserem Lehrerzimmer jemand so interessant, dass mein Exemplar inzwischen nicht mehr dort liegt…

Eigentlich sollten die Steckbriefe von OER-Praktikern mit ins Buch, dafür war dann aber kein Platz mehr. So wurden sie in den letzten Wochen online auf der Buchwebseite veröffentlicht. Ein Blick lohnt sich sowohl auf das Buch als auch auf die anderen OER-Praktiker. (hier ist mein Steckbrief)

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gelesen: Wut und Sinnsuche

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Diese beiden gehören irgendwie zusammen und ich habe sie nacheinander gelesen. Im Buch „Wut ist ein Geschenk“ schildert der Enkel von Mahatma Gandhi Anekdoten und Erlebnisse aus seiner Zeit, als er bei ihm im Ashram lebte. Da war er 12 und es hat ihn anscheinend sehr stark geprägt. Manche Erlebnisse sind sehr beeindruckend und so beschrieben, als wäre man selbst dabei und würde die Lektionen mitbekommen. Ich habe es mir frontal ins Regal gestellt, damit ich es immer wieder mal in die Hand nehme.

„Das Café am Rande der Welt“ schildert einen Cafébesuch, bei dem hauptsächlich die Frage nach dem Sinn des Lebens (im Buch: ZDE =  Zweck der Existenz) erörtert wird. Da es sehr philosophisch klang und auf der Spiegel-Bestseller-Liste steht, kaufte ich es und las es auch gleich. Es ist sehr dünn und ist rasch durchgelesen. Es ist eher pseudo-philosophisch und bedient wohl eine Art Massengeschmack. Ich werde es frei lassen.

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das war 2017 – Rückblick

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Der Januar begann mit den Vorbereitungen zu einem Seminar zu digitalen Medien im Unterricht. Außerdem war ich beim ersten Treffen des Bündnis freie Bildung in Frankfurt, bei dem auch ein Podcast über das Bündnis entstanden ist. Im März durfte ich im Rahmen der GEW-Tagung zur Arbeit mit Wikis und Etherpads referieren, anschließend im Barcamp noch zur Vernetzung von Lehrern via Twitter. Zusätzlich war ich im März beim ZUM-Workshop, der zusammen mit einem Hackathon von Edusharing veranstaltet wurde, in Frankfurt. Im April fand das Educamp in Bad Wildbad statt. Im Mai habe ich beim COER 17 mit gemacht. Kurz vor dem Beginn meines Mutterschutzes in den Pfingstferien warteten noch zwei größere Ereignisse auf mich: wir waren zu fünft in London. Dort waren wir u.a. am Themse-Flutwehr und selbstverständlich beim Nullmeridian in Greenwich. Außerdem wurde ich zur Oberstudienrätin ernannt. Im Juli nahm ich noch mündliche Abiturprüfungen ab, dann kam der Abiball und 3h nach meiner Rückkehr von selbigem machte sich K4 auf den Weg. Der Sommer stand ganz im Zeichen von #Kind4. Im September fuhren dann nur wir zwei nach Frankfurt zum Dalai Lama. Ab Ende September war ich wieder in Teilzeit arbeiten: meine beiden Ethik-Oberstufenkurse sowie die AG Schülerzeitung. Ich bloggte über meine digitale Unterrichtsvorbereitung seit 2012. Im November fand das 20. Jubiläum der ZUM statt und einige der ZUM-Projekte erhielten einen OER-Award bzw. Nominierungen. Nebenbei habe ich viel genäht, gestempelt und gebastelt.

2017 war für mich/uns ein ereignisreiches und gutes Jahr.

gelesen:

Kino/Serie/Podcasts:

  • haha, allein für Kino lohnen sich die Aufzählungszeichen gar nicht. Immerhin war ich ein Mal im Kino: zum Marx-Film. Philosophenkino. Leider ohne so viel Tiefe wie der Hannah-Arendt-Film
  • The Grown (Netflix, Staffel 1&2)
  • The Big Bang Theory (bis einschl. Staffel 9)
  • Dr. Who (ich weiß nicht mehr, bis zu welcher Staffel, 5 oder 6)
  • fast jede Folge der Lage der Nation gehört. Der Weihnachtsmann brachte mir ein Abo.

Entdeckung des Jahres:

  • Schneegestöber und Schneemannsuppe
  • mein Bullet Journal. Ich führe es seit April und bin sehr begeistert. Ich habe mehr Überblick über wichtiges / to dos und Termine, weil wirklich alles an einem Platz steht und ich vieles auch wieder finde. Außerdem kann ich dort auch ein wenig rumkritzeln (s.u.).

Ausblicke:

Ich merke, dass mir zur Zeit die Energie und auch die Zeit für größere Projekte, auch z.B. für Artikel in Zeitschriften fehlt – und dass ich tatsächlich auch mal ablehnen kann. Ein paar Sachen habe ich mir aber dennoch vorgenommen: ich möchte Handlettering üben, mehr lesen und meine Nähliste wächst auch schneller als ich sie abhaken kann. Wenn K4 ein Jahr alt ist, gehe ich wieder mehr arbeiten (ok, nur 3 Wochen erstmal, dann sind Sommerferien 😉 – aber dann ab September so richtig, 75%. Außerdem werkeln wir bei der ZUM am neuen Wiki, was auch zunehmend mehr Aufmerksamkeit fordert – aber dann hoffentlich gut wird 🙂

Rückblicke: 2016, 2015 (in Bildern und in Worten), 2013, 2012

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ohne Religion heißt nicht: ohne Werte

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Über globale Ethik & die Umsetzung im Alltag

 

Im September kommt der Dalai Lama nach Frankfurt. Aus diesem Anlass rief das Blog ethik-aktuell.de zu einer Blogparade mit dem Thema „Wir brauchen eine globale Ethik“ auf. (Einsendeschluss ist heute.)

Anfang des Jahres las ich das Gespräch zwischen Franz Alt und dem Dalai Lama „Ethik ist wichtiger als Religion“ (als vollständiges pdf verfügbar). Bereits der vorausgehende Appell enthält alle wesentlichen Thesen, das Interview selbst ist sehr vergnüglich. Es geht genau wie im Aufruf zur Blogparade um die Frage, welche Werte unsere Gesellschaft und unser alltägliches Handeln prägen (sollen). Außerdem geht es darum, in welchem Verhältnis die Religionen zueinander stehen bzw. welche Rolle sie spielen sollten, damit ein friedliches Zusammenleben möglich ist. Beide Fragen beschäftigen mich (nicht nur berufsbedingt) natürlich sehr und ich habe das große Glück, sie in die Schule zu tragen und mit meinen Schülern diskutieren zu dürfen (und diese weiter im Ethikblog). Die Frage nach dem Verhältnis der Religionen lasse ich in diesem Beitrag etwas außer Acht, denn das wäre einen eigenen Blogbeitrag wert.

Die Werte, die der Dalai Lama für das Zusammenleben fordert sind Güte, Achtsamkeit, Nachhaltigkeit, Gewaltfreiheit, Mitgefühl, Fürsorge, Respekt vor anderen Lebewesen sowie Friedenswille. Diese leitet er aus dem gesunden Menschenverstand sowie aus den verschiedenen Religionen ab. Hans Küng geht mit seinem Projekt Weltethos ähnlich vor. Er untersuchte die Gemeinsamkeiten der Religionen und stellte einige grundlegende Regeln auf, denen alle Menschen zustimmen müssten – und wenn sie danach leben, es weniger Konflikte geben müsste. Auch er spricht von Ethos / Ethik. Kurze Begriffsklärung: Ethik kommt aus dem Griechischen. Dort gibt es zwei Bedeutungen, je nachdem mit welchem e man es am Anfang schreibt. Die eine Schreibweise (ἦθος) bedeutet Charakter – also, mit welchem Motiv, welcher Haltung ich Handlungen ausführe. Die zweite Schreibweise (ἔθος) meint mit Gewohnheit, Brauch die überlieferten Traditionen. Im Lateinischen entspricht dieser Schreibweise „mos“, aus dem unser „Moral“ hervor ging. Diese Moral sind also die gelebten Werte bzw. deren Überlieferung von einer Generation zur nächsten. Ethik dagegen steht für eine individuelle Entscheidung so und nicht anders zu handeln und sich dessen auch bewusst zu sein. Das Projekt Weltethos und auch die globale Ethik des Dalai Lama stehen also für eine konkrete Entscheidung jedes einzelnen. 

Für mich haben die vom Dalai Lama angesprochenen Werte noch eine andere Dimension. Sie können der Pluralität der Werte und der damit verbundenen scheinbaren Willkürlichkeit entgegengesetzt werden. Denn: ohne Religion heißt nicht: ohne Werte. Das wird auch in dem oben verlinkten Text sehr deutlich (jetzt bin ich doch beim Thema Religion…). Auch Atheisten wie ich leben Werte, die das Handeln leiten. Gerade den Alltag mit Kindern (in der Schule und eigene) begleiten oft Fragen, auf welchen Grundlagen Entscheidungen getroffen werden, welche Haltungen  (ἦθος) ich vermitteln und weitergeben möchte. Ganz praktisch ist es bei mir beispielsweise die Entscheidung, saisonal, regional und bio (Priorisierung nach Reihenfolge.) zu kaufen um den Planeten auch für die Urenkel noch lebenswert zu hinterlassen. Damit bin ich ganz nah bei Hans Jonas und seinem ökologischen Imperativ. Auch alle anderen angesprochenen Werte finden Begründungen in der Philosophiegeschichte. Ich muss sie für mich und meinen Alltag anwendbar machen – und das ist Arbeit: Denkarbeit, Lebenserfahrung, praktisches Ausprobieren. Anders als die Religionen, die die praktische Anwendung oft bereits mitliefern. Insofern bietet der Dalai Lama mit seinen Anregungen und Appellen einen Mittelweg zwischen Philosophie und Religion.

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gelesen: alle Toten… Teil 1 & Kundera

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Zum Inhalt möchte ich diesmal gar nichts sagen. Beide Bücher waren gut zu lesen, Kundera bot erwartungsgemäß mehr Genuss bei der Geschichte und wie sich am Ende alles zusammen fügt. Meyerhoff brachte dagegen öfter mal ein Schmunzeln ob der abstrusen Geschichten, die durchaus möglich sind. (Wie auch schon bei Teil 2)
Worüber ich lieber kurz berichten will: das eine las ich analog (so richtig oldschool auf einem Bücherflohmarkt gekauft), das andere digital. Für mich macht es inzwischen keinen Unterschied mehr, welches Medium den Lesestoff trägt. Das finde ich eine gute Entwicklung. Ich gebe zu, ich ,süßte mich erst daran gewöhnen, am Kindle genauso konzentriert zu lesen. Oft las ich bei früheren Büchern Seiten doppelt, weil ich sie nicht wirklich gelesen hatte. Das passiert mir bei analogen Büchern nicht.

Außerdem bin ich etwas verblüfft, dass ich trotzdem noch zum Lesen komme. Seit einem Monat ist #Kind4 da und ich kann mit ihm im Arm draußen im Liegestuhl sitzen und lesen. Gelegentlich bringt mir #Kind3 ein Vanilleeis aus dem Sandkasten vorbei, aber meist spielt er mit anderen Kindern. Und ich darf lesen. Bisher in meiner Mutterkarriere dachte ich, dass ich meine Lesezeit auf unbestimmt aufgegeben habe … aber siehe da: dieser Sommer wird als mein Lesesommer in meinen Erinnerungen bleiben! (Und ich habe noch einige ungelesene Bücher im Regal stehen…)

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gelesen: das kurze Leben der Sophie Scholl & Einbruch der Wirklichkeit: auf dem Flüchtlingstreck durch Europa

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Das kurze Leben der Sophie Scholl von Hermann Vinke und Inge Aicher-Scholl (Kindle-Version)

Das Buch habe ich ohne großes Vor-Interesse ausgewählt. Ich wusste lediglich von einem Kollegenausflug, dass die Freundin von Sophie Scholl eine Zeit lang im Nachbarort wohnte und Sophie demnach auch gelegentlich hier in der Gegend war. Dennoch habe ich das Buch recht schnell gelesen. Die Stimmung beim Lesen wechselte zwischen aufrichtiger Bewunderung und Entsetzen über die ungerechten Zustände. Das Buch geht chronologisch vor: von der unbeschwerten Kindheit und der Suche nach eigener Identität über die Schulzeit in Ulm und die beginnende Studienzeit in München bis hin zur Verhaftung, Verhandlung und Hinrichtung. Durch die verschiedenen Personen, die über Sophie berichten (teils aus dem Archiv, teils aus Interview nur für das Buch, teils aus Briefen), bekommt man immer wieder neue Einblicke in ihr Leben, ihre Gefühls- und Gedankenwelt. Hinzu kommt, dass sie wohl eine gute Zeichnerin war. Es sind einige im Buch enthalten. Das Buch brachte mir auch die „weiße Rose“ näher, denn natürlich lässt sich das Leben von Sophie Scholl nicht unabhängig von ihrem Bruder Hans erzählen.

Über Inge Aicher-Scholl bin ich auf den Podcast vom 27.3.17 mit ihrem Mann: Otl Aicher gestoßen, der für viele der gängigen Piktogramme verantwortlich ist.

Navid Kermani: Einbruch der Wirklichkeit: Auf dem Flüchtlingstreck durch Europa

Das zweite Buch von Kermani, das ich las. Und wieder: aufwühlend und ernüchternd. Ich mag seinen Stil, die Dinge schonungslos zu beschreiben, andere durch Leerstellen bewusst interessant und nachdenklich zu hinterlassen. Er beschreibt im Buch Stationen der Flüchtlingsroute über den Balkan, wobei er in entgegengesetzter Richtung reist. Erschreckend, bedrückend, verständnislos, warum Menschen so etwas zugemutet wird.

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gelesen: Kermani: Ausnahmezustand – Reisen in eine beunruhigte Welt

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DSC_5291Ferienzeit ist Lesezeit 🙂 Das ist mein erstes Buch, das ich komplett auf dem Kindle gelesen habe. Am Anfang war es etwas ungewohnt und ich musste mich wirklich konzentrieren, zumal ich oft nur kurze Zeiten am Stück lesen konnte. Mit wachsender Zeit wurde es dann auch merklich besser mit dem Lesevergnügen. Ich habe mir auch direkt das nächste Buch für den Kindle gekauft 😉 Aber zum Buch von Navid Kermani: Das Buch ist eine Zusammenstellung von Reisereportagen in Krisenregionen der Welt. Es ist schon sehr beeindruckend, wie nah er berichtet und in welche Gefahren er sich z.T. begibt. Für mich war es sehr interessant zu lesen, welche anderen Sichtweisen gezeigt werden, aber auch wie das Leben im Ausnahmezustand organisiert wird.

Was an diesen E-Books schade ist: ich kann es nicht verleihen.

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