Categotry Archives: gelesen

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Filter, digitale Bevormundung, etc.

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Stefan Schmitt schreibt auf ZEIT-online in seinem Artikel „automatisch vorsortiert“ über die digitale Bevormundung (was für ein schöner Ausdruck!) durch Google und Facebook. Er zeigt, welche Auswirkungen heutzutage Filter haben und wie diese eingesetzt werden. Dass es bei personalisierter Werbung funktioniert, ist bekannt. Dass es aber auch bei einfachen Google-Suchanfragen greift, hatte ich bisher nur geahnt. An einem Beispiel macht er das deutlich: er lässt Kant, Nietzsche und Foucault googlen. Erst suchen sie nach Teilen aus ihren jeweiligen Werken und dann nach alltäglichen Begriffen – die Suchergebnisse sind, da ja unterschiedliche Interessen vorhanden sind – verschieden. Daraus ergibt sich für Schmitt eine logische Konsequenz: wir werden in unserer Freiheit beschnitten: Das Internet wirft uns nur das zurück, was wir auch sehen wollen – wie ein Spiegel.

Cass Sunstein schrieb: »Unerwartete Begegnungen mit fremden, ja irritierenden Themen und Meinungen sind zentral für die Demokratie und die Freiheit selbst.«

Bei diesem Zusammenhang, der logisch folgt, drängt sich mir ein Gedanke auf: ist das eine Herausforderung, die Schule annehmen sollte? Mit neuen Ideen, unerwarteten Zusammenhängen konfrontieren, für Verblüffungen und Horizonterweiterungen sorgen? Das fände ich ganz spannend…

Und natürlich folgt am Ende wieder der Ruf nach einer Medien-/Technikethik: „Das würde bedeuten: Wer filtert, muss es transparent machen. Wer Relevanz definiert, muss es erläutern. Wer weglässt, muss darauf hinweisen.“

Uns erwartet eine spannende Zeit!

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Empört euch!

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Letzte Woche las ich in knapp einer Stunde das Buch „Empört euch!“ von Stéphane Hessel, einem Mitautor der Deklaration der Menschenrechte. Den Tipp dies zu tun entnahm ich einem sehr langen Weblogeintrag von @zellmi über das Buch.

Ich habe an einige Stellen des Buches „gut zitierfähig“ drangeschrieben. Zumindest eine Stelle werde ich abtippen:

„Ich wünsche allen, jedem Einzelnen von euch einen Grund zur Empörung. Das ist kostbar. Wenn man sich über etwas empört, wie mich der Naziwahn empört hat, wird man aktiv, stark und engagiert. Man verbindet sich mit dem Strom der Geschichte, und der große Strom der Geschichte nimmt seinen Lauf dank dem Engagement der Vielen – zu mehr Gerechtigkeit und Freiheit, wenn auch nicht zur schrankenlosen Freiheit des Fuchses im Hühnerstall.“

Dieses Buch fasst relativ kurz zusammen, was in unserer Welt schief läuft und auf fast jeder Seite wird klar, das und was sich ändern sollte/muss. Für mich stellte sich die Frage, ob wir, meine Generation oder meine Kinder, die nächste Generation, je diese Probleme lösen können. Wichtig sind in jedem Fall neue Ideen, neue Wege. Ich habe für mich entschieden, dass ich meine Schüler (und auch meine Kinder) auf Missstände aufmerksam mache und ev. Alternativen zeige – eine andere Welt ist möglich, die Augen davor zu verschließen halte ich für grundsätzlich falsch.

Am liebsten möchte ich meinen Schülern zurufen: Empört euch!

 

(Anmerkung: übrigens sehr viele Verweise auf französische Existentialisten im Buch)

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gelesen: Max Frisch – Homo Faber

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„Ihre Vermutung, ich sei traurig, weil allein, verstimmte mich. Ich bin gewohnt, allein zu reisen. Ich lebe, wie jeder wirkliche Mann, in meiner Arbeit. Im Gegenteil, ich will es nicht anders und schätze mich glücklich, allein zu wohnen, meines Erachtens der einzigmögliche Zustand für Männer, ich genieße es, allein zu erwachen, kein Wort sprechen zu müssen. Wo ist die Frau, die das begreift? Schon die Frage, wie ich geschlafen habe, verdrießt mich, weil ich in Gedanken schon weiter bin, gewohnt, voraus zu planen. Zärtlichkeiten am Abend, ja, aber Zärtlichkeiten am Morgen sind mri unerträglich, und mehr als drei oder vier Tage zusammen mit einer Frau war für mich, offen gestanden, stets der Anfang der Heuchelei, Gefühle am Morgen, das erträgt kein Mann. Dann lieber Geschirr waschen!“

#großartigesZitat

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gelesen: Der Klavierstimmer (Pascal Mercier)

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In dem Buch geht es um ein Zwillingspaar, Mitte 20. Ihre Lebenswege trennten sich 6 Jahre zuvor recht plötzlich. Nun trafen sie sich auf Grund eines schwerwiegenden Ereignisses wieder: ihr Vater,  ein Klavierstimmer, der selbst Opern komponiert, sitzt im Gefängnis für den Mord an einem Opernsänger.

Im Roman schreiben beide Geschwister ihre Sicht auf die Ereignisse (ihre frühere Beziehung zueinander, ihre Beziehung zu den Eltern, die Umstände der Tat) für den jeweils anderen auf – um sich von der Vergangenheit zu befreien. Ein verlockender Gedanke, es scheint zu funktionieren.

Ohne das Ende vorweg zu nehmen: ich hatte so etwas vermutet, war aber enttäuscht, dass der Abschied dann tatsächlich so ausging. Das finde ich dem ganzen Buch nicht angemessen.

Insgesamt fand ich das Buch sehr interessant und spannend. Zu Beginn überwiegen die Gedanken zur eigenen Person und zwischen den Geschwistern. Darin eingebunden: Überlegungen zur Sprache, zur Zeit, zur Einsamkeit, zum Gleichklang zwischen Menschen, zur Fremdheit. Im 2. und 3. Drittel dreht es sich dann immer mehr um die Eltern, bzw. die Beziehung der beiden zu beiden Elternteilen sowie ihre Entdeckungen über sie. Das fand ich persönlich weniger interessant, dafür spannend für die Aufklärung der Tatumstände. 500 Seiten, schnell gelesen.

„Niemand hatte mir gesagt, dass Einsamkeit eine körperliche Empfindung sein kann wie Hunger, Durst oder Ekel. Niemand hatte mir gesagt, dass sie zu einem Gefühl werden kann, das einen gefangenhält, obgleich man es nicht mehr spürt. Einmal, als ich sie wieder spürte, versuchte ich mich zu erinnern, wie es gewesen war, als ich mich nicht einsam fühlte. Ich hatte es vergessen. Darüber geriet ich in Panik.“ (Patrice. Erstes Heft, S. 38)

Bereits vor 3 Jahren „Nachtzug nach Lissabon“ vom selben Autor gelesen. Als nächstes steht ein philosophisches Buch von ihm (unter echtem Namen) auf dem Plan.

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gelesen: Clara

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Da ich meist mit einem der Kinder in der Bibliothek bin, habe ich kaum Zeit, mir nach einigem Stöbern ein Buch auszuleihen, dass ich gern lesen möchte. Anscheinend haben noch mehr dieses Problem – denn gleich am Eingang steht ein Regal mit „beliebten Büchern“, die oft ausgeliehen werden. Irgend einen Grund muss es ja haben. Ich also, schaue nur dort, ob ich was passendes finde – notfalls schaff ich das Buch ungelesen wieder zuück (ging mir neulich so mit Helena). Clara habe ich zu Ende gelesen, recht schnell sogar, finde ich.

Es geht um einen jungen Mann – 30 Jahre alt – der oft unverbindliche Liebschaften hat, gern auch gleichzeitig. Er trifft Clara, die um seinen Ruf weiß, außerdem verheiratet ist und sich nicht auf sein Werben einläßt. Zunächst zumindest. Er steigert sich immer mehr rein, entdeckt dann jedoch, dass er sich wohl in sie verliebt haben müsse.

Insgesamt war die Geschichte recht kurzweilig, zuweilen spannend (erliegt sie seinen Verlockungen oder nicht?) – aber ansonsten nicht weiter spektakulär.

Was aber wirklich toll war an dem Buch: die Sätze. Schachtelsätze. Ich liebe Schachtelsätze! Das Buch ist voll davon und es machte Spaß diese zu lesen – ein Satz begann, blendete Details ein, zeigte noch eine Querverbindung und endete völlig logisch. Toll. Während der Zeit als ich das Buch las, begann ich in Schachtelsätzen zu denken.

Fazit: nett, kurzweilig, tolle Satzbaukunst

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