Categotry Archives: Philosophie

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“Wie kommt man nur dazu, Philosophie zu studieren?”

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(dieser Blogbeitrag ist ursprünglich im Weblog für meinen Ethikkurs erschienen)

Diese Frage bekam ich am vergangenen Donnerstag angesichts eines, zugegebenermaßen recht langen, Mill-Textes. Ich habe noch einmal über diese Frage nachgedacht und bin für mich zu dem Schluss gekommen, dass sie -aus meiner Perspektive- falsch herum gestellt ist. Für mich stellt sich nicht die Frage, wie man DAS studieren kann (mit genau der Entrüstung in der Stimme), sondern wie man es nicht kann. Ich meine damit nicht zwangsläufig das Studium, sondern eine Art “philosophischen Blick” auf die Dinge zu haben – wie kann man als Mensch Mensch sein ohne sich darüber (planvoll) Gedanken zu machen, woher man kommt, wie Entscheidungen zustande kommen, seine eigenen Ziele und Handlungsoptionen zu reflektieren, die Entscheidungen sowie Antworten von anderen zu hinterfragen, etc.

Für mich ergab sich daraus gegen Ende meiner Schulzeit die logische Schlussfolgerung, Philosophie zu studieren und mich damit zu beschäftigen, was andere vorher gedacht haben, wie diese Gedanken zustande kamen, welche Folgen sie haben. Das Studium ist keine zwangsläufige Folge, die ein “philosophischer Blick” mit sich bringt, für mich hingegen, war es damals (und auch heute noch) die einzig richtige Entscheidung. Da ich mir das Berufsbild eines Philosophen nur schwer vorstellen konnte und ich zudem auch noch ganz gern unterrichtet hätte, habe ich Philosophie und Ethik auf Lehramt studiert. Die Unterschiede im Studium von Lehramt und Philosophie/Magister im Hauptfach (entspricht, glaube ich, dem heutigen Masterstudium) waren minimal, sodass ich genau das gefunden hatte, was ich wollte. Die langen, schwierigen Texte haben mich übrigens nie abgeschreckt – im Gegenteil! Ich wollte ja gerade mich in Texte hineindenken, die Gedanken nachvollziehen, mit anderen darüber diskutieren – und sei es nur über einen Nebensatz oder eine Fußnote und was der Autor damit gemeint hat bzw. welche Folgen das für die gesamte Theorie hat.

Die Fragen, die ein “philosophische Blick” aufwirft, sind bei mir während des Studiums im Detailreichtum und der Vielfalt aller gelesenen Gedanken in den Hintergrund gerückt. Erst seit ich unterrichte, begegnen sie mir verstärkt wieder – in den Fragen meiner Schüler (und den Fragen meiner eigenen Kinder). Dann merke ich, wie richtig die Entscheidung für mich war, Lehrerin zu werden (-: Nach und nach aber drängten sich diese existentiellen Fragen auch bei mir wieder auf und ich beobachte, wie viel ich durch das Philosophiestudium dazu gewonnen habe. Nicht nur, dass die Fragen sich wiederholen – ich habe eine Fülle von Antworten und weiterführenden Fragen im Kopf.

Ich hoffe, ich kann euch so einen Blick ein Stück weit mitgeben – indem ich euch Anlässe gebe, kurz Distanz zur aktuellen Situation einzunehmen und darüber nachzudenken, Fragen zu formulieren, Antworten gemeinsam im Gespräch oder allein zu finden und diese zu reflektieren.

(Ich hoffe, ich habe die Frage nun hinreichend beantwortet, auch wenn ich weiß, dass sie nicht ganz so ernst gemeint war, wie ich sie nun beantwortet habe.)

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Husserl und Heidegger

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Falls sie mal ein dreiviertel Stündchen Zeit haben und sich ein wenig für Philosophie interessieren, sei Ihnen dieses Video, Mitschnitt einer Vorlesung, ans Herz gelegt. Alles wird recht einfach erklärt. Sie erfahren, was es mit Phänomenologie auf sich hat (ab Minute 28 ungefähr), was Sartre damit zu tun hat, wie sich das Verhältnis der beiden (H&H) vom „philosophischen Ziehvater“ bis hin zur absoluten Entfremdung verändert hat und vieles mehr.

hier entlang bitte

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Ziviler Ungehorsam u. gewaltfreier Widerstand

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FF5/04 Ziviler Ungehorsam u. gewaltfreier Widerstand: „Ziviler Ungehorsam und gewaltfreier Widerstand

Martin Singe

Nachfolgender Artikel versteht sich als kleine inhaltliche Einführung in den Schwerpunkt dieses Friedensforums. Auch wenn vieles bekannt sein wird, soll im folgenden vers ucht werden, einige wesentliche Begriffe im Kontext Zivilen Ungehorsams und Gewaltfreien Widerstands anzusprechen. In den Schwerpunkt-Artikeln dieses Friedensforums wird vieles davon anschaulich. Eine umfassende Theorie kann ein so kurzer Artikel natürlich nicht bieten (vgl. dazu einige wenige Literaturhinweise am Ende).“

Vergleichen Sie die Ausführungen des Thomas von Aquin über das Handeln gegen den Wortlaut des Gesetzes mit modernen Theorien zum zivilen Ungehorsam!

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gelesen: Sartre: Der Teufel und der liebe Gott

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Ein Theaterstück von Jean-Paul Sartre: Der Teufel und der liebe Gott, Drei Akte und elf Bilder.

Das Stück spielt im 16. Jahrhundert, die Bauern lehnen sich gegen ihre Feudalherren auf, der Krieg schwelt und bricht gelegentlich aus. Soviel zur Rahmenhandlung. Es geht um Götz, einen Raubritter und Heerführer, der sich im Spannungsfeld von Gut und Böse seine Beziehungen zu den Menschen (arme und reiche) und zu Gott auslotet.

Im ersten Akt steht er mit seinem Heer vor Worms und wird vor die Entscheidung gestellt, die Stadt dem Erdboden gleich zu machen oder nicht. Er will Gott trotzen, sich mit ihm messen. Vor einer anderen Entscheidung steht der Priester Heinrich, denn jede seiner Alternativen bedeutet Verrat an der anderen Seite. Typisch Sartre, möchte man meinen: der Mensch ist frei und hat immer die Wahl. Hier spielt er sehr komplizierte Dilemmata durch und läßt auch Gott mitspielen. Götz jedenfalls würfelt, ob er böse bleiben oder gut werden sollte. Er mogelt und wird gut.

Der zweite Akt zeigt dann, wie er versucht, gutes aufzubauen und dem Bösen auszuweichen, was eigentlich unmöglich ist. Es holt ihn immer wieder ein. Er will Gott zeigen, dass man trotz des Bösen in der Welt gut sein kann. Er mogelt wieder um sich die Gefolgschaft der Bauern zu sichern und versucht durch sie eine Gesellschaft, die auf der Liebe gründet, aufzubauen. Er scheitert.

Der dritte Akt stellt das Gleichgewicht wieder her und gipfelt in der Einsicht, dass, selbst wenn Gott existiert, er sich nicht für Heinrich (oder sonstjemanden) interessiert: Die Menschen sind der Bezugsrahmen für jegliches Handeln. Die Dialektik bestimmt das Denken:
„Götz: Ich will ein Mensch unter Menschen sein.
Nasty: Sonst nichts?
Götz: Ich weiß, das ist am schwierigsten. Deshalb muß ich am Anfang anfangen.
Nasty: Was ist der Anfang?
Götz: Das Verbrechen. Die Menschen von heute werden als Verbrecher geboren. Ich muß meinen Anteil an ihren Verbrechen einfordern, wenn ich meinen Anteil an ihrer Liebe und ihren Tugenden haben will. Ich wollte die reine Liebe: Wie albern. Sich lieben heißt denselben Feind hassen: Ich werde mir also euren Haß zu eigen machen. Ich wollte das Gute: Wie töricht. Auf dieser Erde und in dieser Zeit sind Gut und Böse untrennbar: Ich bin bereit, böse zu sein, um gut zu werden.“

Insgesamt: Interessantes Stück, Sartre eben. Es liest sich sehr gut, sind auch nur relativ wenige Seiten 🙂

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nicht verrückt, nur philosophierend :-)

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„Ich sitze mit einem Philosophen im Garten; er sagt zu wiederholten Malen ‚Ich weiss, dass das ein Baum ist‘, wobei er auf einen Baum in der Nähe zeigt. Ein Dritter kommt daher und hört das, und ich sage ihm: ‚Dieser Mensch ist nicht verrückt: Wir philosophieren nur.'“ (Lit.: Wittgenstein, Über Gewissheit (1951), § 467.)

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