Categotry Archives: Philosophie

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Hobbes in Balance

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Thomas Hobbes beschäftigt uns immer wieder im Ethikunterricht der Klassenstufe 10 (früher 11) mit seinem Leviathan. Es ist eine der ersten Vertragstheorien der Neuzeit, sie ist noch nicht so kompliziert wie die späteren. Wir begeben uns mit ihr an einen Punkt des abendländischen Denkens, (der aus heutiger Sicht) wichtig für nachfolgende Philosophen erscheint. Hobbes lebte im 16. und 17. Jahrhundert, seine Lebenszeit ist einerseits geprägt von Kriegen, andererseits von technischen Fortschritten (und damit einhergehend: Änderungen des Weltbildes).

von Anarkman at fr.wikipedia [Public domain], vom Wikimedia Commons

Zum Leviathan ganz kurz: Ausgangspunkt ist ein (gedachter) Naturzustand, in dem die Menschen zusammenleben. Dieses Leben ist gekennzeichnet von Angst um das eigene Wohl und um das Eigentum, denn jeder hat ein Recht auf alles und kann sich und das Seine verteidigen. Ein Kampf aller gegen alle besteht. Diesem Kriegszustand setzt Hobbes einen Gesellschaftsvertrag entgegen: Jeder gibt sein Recht auf Selbstverteidigung (und in Teilen damit auch seine Freiheit) und und erhält die Garantie seiner Sicherheit sowie das Recht auf Eigentum. Die Menschen geben also ihren Einzelwillen ab und gehen im Gemeinschaftswillen auf. Diese Gemeinschaft wird repräsentiert durch den Leviathan, sehr schön auf dem Deckblatt des Buches als Herrscher über alle Menschen (Köpfe machen den Körper) in weltlicher und kirchlicher Macht dargestellt. Spannend sind auch das Menschenbild (egoistisch, gewalttätig, etc.) und die aus dem Vertrag folgenden ethischen Maßstäbe (ethischer Egoismus).

Die Beschäftigung mit Hobbes lief bisher in meinem Unterricht jedes Jahr anders ab: ein Vortrag, den Text komplett lesen, die Texte in Gruppen lesen, die Radio-Wissen-Sendung von Bayern2 hören, etc. Dieses Jahr probiere ich es mal mit einem Kurzfilm zu Balance (den Film findet ihr auf Youtube unter wechselnden Adressen). Balance ist ein Kurzfilm von 1989, der eine Gemeinschaft von 5 monochromen Personen darstellt, die zunächst in Harmonie leben (dargestellt am Angeln). Eine der Personen angelt eine Kiste, die sich als rotes Musikabspielgerät entpuppt. Der Kampf aller gegen alle beginnt. Das Ende verrate ich euch nicht, der Kurzfilm geht nur 8 Minuten (und hat übrigens sogar einen Kurzfilm-Oscar bekommen) ;). Die Aufgabe, nach der Analyse der verschiedenen Elemente des Films und mögliche Deutungsebenen, besteht für meine Schüler nun darin, die Theorie von Hobbes zur „Lösung“ des Kampfes zu nutzen und neu filmisch umzusetzen. Zunächst zeichnen die einzelnen Gruppen (je 3-4 Schüler) ein Storyboard bevor sie mit dem Filmen beginnen. Dabei nutzen die Schüler die digitalen Endgeräte, die sie sowieso in der Tasche haben.

Die einzelnen Schritte der Aufgabe:

  1. Analysiere die einzelnen Gegenstände sowie deren Bedeutung im Kurzfilm Balance. –> Besprechung im Plenum
  2. Lies den Text zu Hobbes‘ Theorie und ergänze die Übersicht. –> Besprechung in der Gruppe und im Plenum
  3. Informiere dich darüber, wie und warum ein Storyboard gezeichnet wird. 
  4. Sammelt in der Gruppe erste Ideen für euren Kurzfilm (Figuren, Umgebung, Handlung).
  5. Erstellt in der Gruppe ein Storyboard und diskutiert es (einzelne Szenen aufteilen und jeder zeichnet seinen Teil).
  6. Dreht euren Kurzfilm (evtl. Nachbearbeitung am Computer) –> Besprechung und Präsentation im Plenum

Heute, ausgerechnet am Tag des digitalen Lernens steht der letzte Schritt an. Ich bin gespannt! Für mich notiere ich zumindest schon mal eine Aufgabe: ich werde die Möglichkeiten mit dem Ipad kurze Filme zu drehen ausloten. Da gibt es sicher ganz tolle Apps, die ich mir bisher aber noch nicht angeschaut habe.

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Seminarrückblick: Philosophieren mit dem Web 2.0

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Im Wintersemester 2013/14 war ich Teil eines Seminarleiterteams (zusammen mit Donat Schmidt) am Institut für Philosophie der TU Dresden. Unser Seminar hieß Philosophieren mit dem Web 2.0 und beschäftigte sich praktisch und auch etwas theoretisch mit der Nutzung von Social Media im Ethik- und Philosophieunterricht. Grundlage des Seminars waren wöchentliche Aufträge, die die Studierenden im Seminarblog bekamen und allein oder in Gruppen innerhalb einer Woche bearbeiteten. Je nach Aufgabe fassten wir anschließend die Ergebnisse zusammen, gaben Hilfestellungen oder Tipps. Erst ganz am Ende in der letzten Seminarwoche (vorgestern) trafen wir uns „in echt“. Ich werde ein paar Punkte zum Seminar ansprechen, sicher einiges vergessen. Wenn ihr Fragen habt, bitte gern.

Zur Organisation der Seminarleitung: Kurz vorweg: Donat und ich wohnen etwa 350km auseinander, der Weg zur TU ist für mich mit 400km zu veranschlagen. Deshalb nutzten wir natürlich auch modernere Medien um unser Seminar zu organisieren. Wir sprachen uns im Vorfeld über die Themen ab und erstellten mit dem ZUMPad einen ersten Plan. Dieser wurde immer weiter konkretisiert und die Themen auf uns beide aufgeteilt. Anschließend nutzten wir ein Evernote-Notizbuch um für die einzelnen Wochen Links, Aufgabenideen, etc. zu sammeln. Schlussendlich legte einer von uns beiden (wer für das Thema zuständige war) Weblogartikel an und speicherte sie als Entwurf – jeweils einen Aufgabenartikel und einen Zusammenfassungsartikel für die Woche. Das geschah meist am Wochenende, wir mailten oder trafen uns zum Hangout am Montag Vormittag, die Artikel wurden überarbeitet und gingen schließlich am Dienstag früh online. (Der Anspruch war, den Zusammenfassungsartikel VOR den neuen Aufgaben zu veröffentlichen). Um auch einen Kanal für nicht-öffentliche Fragen und Ankündigungen zu haben, gab es neben dem Seminarblog zusätzlich eine Google+-Gruppe. Diese wurde zwar, aber eher selten genutzt. Entweder waren die Aufgaben selbsterklärend oder die Handhabung mit Google+ zu umständlich. Wir hatten auch angeboten bei Problemen Google-Hangouts oder Skypegespräche zu machen. Von diesem Angebot wurde nie Gebrauch gemacht.

Für die Zusammenfassung las ich die Blogs der Studierenden (im Feeedreader Feedly) sowie schaute auf die entsprechenden Plattformen. Da sich die verschiedenen Plätze, wo die Arbeitsergebnisse veröffentlicht werden sollten, in Grenzen hielt, war das ganz gut machbar. Beim letzten Seminar (im Sommersemester 2009) war ein Kritikpunkt seitens der Studierenden, dass wir als Seminarleitung mehr Hilfen und Kommentare abgeben sollten. Es fiel mir damals schon schwer, es nicht zu tun (die Kompetenz der Studierenden sollte mehr genutzt werden), deshalb haben wir das diesmal natürlich geändert – gerade da ich über einige praktische Erfahrung verfüge. Die Zusammenfassungstexte schrieb meist ich und Donat ergänzte bzw. formulierte um.

Am vergangenen Freitag fand die einzige Präsenzsitzung statt. Der Termin wurde in der Google+ – Gruppe nach ein paar Einschränkungen unsererseits festgelegt: 7.2., 9:20-10:50 (2. DS). Dankenswerter Weise wurde ich von meiner Schule für den Tag freigestellt, sodass ich am Donnerstagabend nach Dresden fuhr. Das Seminar schrumpfte während des Semesters bzw. einzelne waren wegen Krankheit verhindert, sodass wir insgesamt zu zehnt waren. Es begann mit einer kurzen Vorstellungsrunde – Studiengang, Fächer. Anschließend füllten die Studierenden einen Evaluationsbogen aus, auf dem Satzanfänge standen, die ergänzt werden sollten. Außerdem sollten die einzelnen Themen beurteilt werden. Die Satzanfänge bezogen sich sowohl inhaltlich auf das Seminar als auch auf unsere Aktivitäten als Seminarleitung. Insgesamt fiel das Feedback sehr positiv aus (dazu im Seminarblog im Laufe der Woche etwas mehr).

Der Hauptteil der Präsenzsitzung bestand aus der Vorstellung der Arbeitsergebnisse der Projektphase. Es sollten Lernpfade oder Unterrichtsreihen erstellt und bereits von den anderen kommentiert werden. Der / die Ersteller stellten ihre Gedanken und Ideen kurz vor – das half sehr, manche Aufgaben sowie Materialien zu verstehen bzw. Alternativen vorzuschlagen. Vorher dachte ich: eigentlich ist hier eine Dopplung drin – alle sollten sich die Arbeitsergebnisse schon vorher anschauen und auf den Wiki-Diskussionsseiten kommentieren und dann werden sie nochmal vorgestellt und darüber diskutiert. Aber hier zeigte sich der Mehrwert einer Präsenzsitzung: von Angesicht zu Angesicht ist es einfacher, Tipps und Hilfen zu geben, da sie a) weniger Missverstanden wird und b) man die Gedanken des Erstellers dazu hörte. Abgerundet wurde das Seminar (es war dann schon kurz vor halb 12…) von einer Blitzlichtrunde zum weiteren Einsatz von Social Media im Ethikunterricht. Einige Male wurde als grandiose Neuentdeckung das ZUM-Wiki genannt (auch wenn man sich erst in die Syntax einarbeiten muss). Im Großen und Ganzen war diese thematische Rückmeldung geprägt von Neugierde auf die verschiedenen (und auch auf andere) Tools und auch der Wille, diese sinnvoll einzusetzen und auszuprobieren. Und ganz ehrlich: das war das Ziel des Seminars 🙂

Für mich nehme ich die Erkenntnis mit, dass solche Themen an der Uni anscheinend unglaublich zu kurz kommen. Außerdem hat es mir wieder bewusst gemacht, wie gut online-Zusammenarbeit funktioniert (man muss sich nicht real kennen, wenn man ein gemeinsames Thema hat), wie wichtig aber auch echte Begegnungen sind. Wir hatten uns bei der Seminarplanung bewusst gegen eine frühere Präsenzsitzung entschieden, um auszuprobieren, ob online-Zusammenarbeit auch ohne dieses echte Kennen funktioniert (einige der Studierenden kannten sich selbstverständlich). Das echte Zusammentreffen am Ende war jedoch wichtig, könnte jedoch auch 2-3 Wochen früher stattfinden. Jetzt ist das Seminar zu Ende und aus den ZUM-Treffen weiß ich, dass diese realen Treffen meist nochmal Motivation und Ansporn bringen, weiterzuarbeiten. Diese wird bei uns lediglich genutzt, um die Lernpfade und Unterrichtsreihen zu überarbeiten und zu perfektionieren.

Zu guter Letzt nehme ich für mich noch ganz „materiale Dinge“ mit: drei tolle Unterrichtsreihen / Lernpfade, die ich ausprobieren werde.

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Bloggen im Unterricht – 2013/14

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Gerade beantwortete ich per Mail ein paar Fragen von Marburger Studenten zum Bloggen im Unterricht. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich noch gar nicht über die diesjährigen Blogprojekte geschrieben habe. Das werde ich sofort nachholen:

  • Das Weblog Philokurs wird vom K2- Kurs (12. Klasse) weitergeführt. Allerdings habe ich das Schreiben am Weblog freigestellt, d.h. wer der Meinung ist, er braucht die Note zur Aufbesserung von Klausur- und mündlicher Note schreibt, wer nicht, der nicht. Der Kölner Kurs ist aus dem Weblog ausgezogen und schreibt sporadisch im K1-Weblog.
  • Das Weblog des letzten Abijahrganges (Abi 2013) wurde auf den Wunsch der Abiturienten hin beibehalten und von der K1 (11. Klasse) weitergeführt. Ich veränderte das Layout etwas und erstellte eine Karte zur besseren Übersicht über die Schulstandorte der Schreiber. Die Kölner und Dorstener beteiligen sich teilweise nur in den Kommentaren – je nachdem, wie es die jeweilige Lehrerin vorgesehen hat.
  • Die ehemaligen Abiturienten sind weiterhin als Autoren des Weblog Ethik13 eingetragen, d.h. sie können weiterhin Beiträge schreiben und tun das tatsächlich auch – z.B. über den Neuanfang zum Jahresanfang.
  • Da wir uns in der 10. Klasse mit Umwelt- und Naturethik beschäftigten,  nutzte ich den Beitrag im Ethik13-Weblog über Tierversuche und führte die 10. Klasse an das Weblog heran. Sie sollten sich nach einer Auseinandersetzung mit rechtlichen und ethischen Argumenten zu Tierversuchen positionieren  – leider schrieben alle gleichzeitig, deshalb beziehen sich die Diskussionsbeiträge nicht aufeinander. (das lag an meiner Unterrichtsplanung)  Den Schülern fiel es zunächst etwas schwer, ihre Meinung prägnant und logisch zu formulieren – zumal ihnen bewusst war, dass auch andere Menschen diese lesen (können). Die potentielle Öffentlichkeit war Hemmnis und Ansporn zugleich.

Im vergangenen September traf ich die Lehrerin, Anke Heyen, aus Köln (übrigens zum ersten Mal) beim OERCamp in Köln – man sieht uns etwa bei Minute 3:48:

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Web-Fundstücke (Ferienedition der „Links der Woche“), 28.07.2013

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Bildung

Geographie

Philosophie/Ethik

sonstiges

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Links der Woche, 10.6.- 23.6.2013

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Bildung

Geographie

Philosophie/Ethik 

sonstiges

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Links der Woche 6.-12.5.2013

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Bildung

Geographie

  • tolles Geographie-Spiel: Von einem Standort sieht man die Google-StreetView-Ausschnitte und muss raten, wo man sich befindet. 5 Runden, dann werden die Punkte zusammengezählt. (via @HRNueb)
  • Milliardenmarkt Wasser – 20min-Sendung von 3sat

Philosophie / Ethik

sonstiges

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ZDPE

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Die Zeitschrift für Didaktik der Philosophie und Ethik (ZDPE – die Homepage ist leider immer veraltet.) ist eine der beiden großen Didaktikzeitschriften für Ethik/Philosophie und erscheint vierteljährlich (neben der Ethik & Unterricht). In der ZDPE findet man eher didaktische Hintergrundartikel und viele Blicke über den Tellerrand des eigenen Lehrplans, wissenschaftliche Beiträge, weniger konkret unterrichtspraktische Materialien. Zur Umsetzung im Unterricht eignen sich aber viele der Ideen und Gedanken. Und genau das gefällt mir an der Zeitschrift: ich habe keine fertigen Konzepte, sondern viele Anregungen die zu mehreren Themen passen. Gelegentlich sind auch mal fertige Unterrichtssequenzen im Heft.
Die Layoutänderung mit der aktuellen Ausgabe habe ich mal zum Anlass genommen, meine alten Ausgaben durchzusehen und nach Layoutänderungen zu schauen. Ich habe nicht seit 1992 alle Hefte, sondern später ältere Ausgaben dazu gekauft. Im Abo habe ich die Zeitschrift etwa seit 2008, glaube ich.

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Schon das letzte Layout gefiel mir ganz gut. Das aktuelle, hin auch zu mehr Seiten übrigens, finde ich auch sehr gelungen, wenngleich mir das Braun gar nicht zusagt. Da wäre mir eine Kombination mit hellblau angenehmer gewesen.
Abgesehen vom Layout bietet die Zeitschrift die gewohnten Rubriken: zum Thema, Philosophieren im Unterricht, philosophische Meisterstücke (gibts inzwischen auch als Buch), Berichte – Diskussionen – Materialien, Rezensionen und Denkbild. In der Herausgeberschaft hat sich einiges geändert, z.B. ist ein ehemaliger Kommilitone Donat Schmidt in den Kreis gerückt.
Gelesen habe ich aus dem aktuellen Heft bisher den Artikel von Patrick Baum zu den philosophischen Cafés, den Beitrag zum Ethikunterricht in Bayern (erschreckend!) sowie die Rezensionen. Ich stellte fest, dass ich einen Teil der vorgestellten Medien bereits habe, einen anderen Teil auf den Wunschzettel gesetzt 😉

Von mir sind bisher zwei Artikel in der ZDPE erschienen, das ist aber auch schon ewig her.

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Links der Woche 18.3.-24.3.2013

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Langsam kommt Routine in die Linksammelei rein 🙂

Bildung

  • Am 8. April startet ein neuer MOOC zu OER – der COER.

Geographie

Philosophie / Ethik

sonstiges

  • gestern ist Laky Lakomy verstorben. Seinen wunderbaren Traumzauberbaum haben wir letztes Jahr in Dresden auf der Bühne der Comödie erlebt. Meine Kinder schwärmen heute noch davon. Sehr traurig, diese plötzliche Krankheit und sein Tod.
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“Wie kommt man nur dazu, Philosophie zu studieren?”

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(dieser Blogbeitrag ist ursprünglich im Weblog für meinen Ethikkurs erschienen)

Diese Frage bekam ich am vergangenen Donnerstag angesichts eines, zugegebenermaßen recht langen, Mill-Textes. Ich habe noch einmal über diese Frage nachgedacht und bin für mich zu dem Schluss gekommen, dass sie -aus meiner Perspektive- falsch herum gestellt ist. Für mich stellt sich nicht die Frage, wie man DAS studieren kann (mit genau der Entrüstung in der Stimme), sondern wie man es nicht kann. Ich meine damit nicht zwangsläufig das Studium, sondern eine Art “philosophischen Blick” auf die Dinge zu haben – wie kann man als Mensch Mensch sein ohne sich darüber (planvoll) Gedanken zu machen, woher man kommt, wie Entscheidungen zustande kommen, seine eigenen Ziele und Handlungsoptionen zu reflektieren, die Entscheidungen sowie Antworten von anderen zu hinterfragen, etc.

Für mich ergab sich daraus gegen Ende meiner Schulzeit die logische Schlussfolgerung, Philosophie zu studieren und mich damit zu beschäftigen, was andere vorher gedacht haben, wie diese Gedanken zustande kamen, welche Folgen sie haben. Das Studium ist keine zwangsläufige Folge, die ein “philosophischer Blick” mit sich bringt, für mich hingegen, war es damals (und auch heute noch) die einzig richtige Entscheidung. Da ich mir das Berufsbild eines Philosophen nur schwer vorstellen konnte und ich zudem auch noch ganz gern unterrichtet hätte, habe ich Philosophie und Ethik auf Lehramt studiert. Die Unterschiede im Studium von Lehramt und Philosophie/Magister im Hauptfach (entspricht, glaube ich, dem heutigen Masterstudium) waren minimal, sodass ich genau das gefunden hatte, was ich wollte. Die langen, schwierigen Texte haben mich übrigens nie abgeschreckt – im Gegenteil! Ich wollte ja gerade mich in Texte hineindenken, die Gedanken nachvollziehen, mit anderen darüber diskutieren – und sei es nur über einen Nebensatz oder eine Fußnote und was der Autor damit gemeint hat bzw. welche Folgen das für die gesamte Theorie hat.

Die Fragen, die ein “philosophische Blick” aufwirft, sind bei mir während des Studiums im Detailreichtum und der Vielfalt aller gelesenen Gedanken in den Hintergrund gerückt. Erst seit ich unterrichte, begegnen sie mir verstärkt wieder – in den Fragen meiner Schüler (und den Fragen meiner eigenen Kinder). Dann merke ich, wie richtig die Entscheidung für mich war, Lehrerin zu werden (-: Nach und nach aber drängten sich diese existentiellen Fragen auch bei mir wieder auf und ich beobachte, wie viel ich durch das Philosophiestudium dazu gewonnen habe. Nicht nur, dass die Fragen sich wiederholen – ich habe eine Fülle von Antworten und weiterführenden Fragen im Kopf.

Ich hoffe, ich kann euch so einen Blick ein Stück weit mitgeben – indem ich euch Anlässe gebe, kurz Distanz zur aktuellen Situation einzunehmen und darüber nachzudenken, Fragen zu formulieren, Antworten gemeinsam im Gespräch oder allein zu finden und diese zu reflektieren.

(Ich hoffe, ich habe die Frage nun hinreichend beantwortet, auch wenn ich weiß, dass sie nicht ganz so ernst gemeint war, wie ich sie nun beantwortet habe.)

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